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Ausstellung Botschaft aus Amsterdamer Hinterhaus

Annette Birschel

Amsterdam - Hinter dem drehbaren Bücherregal führt die steile Holzstiege nach oben – von der Freiheit in die Unfreiheit, vom Licht ins Dunkel. Auf dem Dachboden des Hinterhauses an der Prinsengracht 263 in Amsterdam lebten acht Juden im Versteck vor den deutschen Nazis fast zwei Jahre lang bis zum 4. August 1944. Dort schrieb das jüdische Mädchen Anne Frank ihr weltberühmtes Tagebuch. Dadurch hat die Judenverfolgung für viele, gerade junge Menschen weltweit ein Gesicht bekommen – von dem Mädchen aus Amsterdam.

1,2 Millionen Gäste

Das Hinterhaus ist Monument und Museum zugleich. Fast 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist es umgestaltet worden. „Wir erzählen Annes Geschichte neu“, sagt der Direktor der Anne-Frank-Stiftung, Ronald Leopold. „Die jungen Besucher sollen sie auch heute noch verstehen können.“

Jährlich besuchen mehr als 1,2 Millionen Menschen das Anne-Frank-Haus, die meisten sind jünger als 30 Jahre alt. „Viele ihrer Großeltern haben den Krieg nicht mehr erlebt“, sagt Leopold. „Das Interesse ist groß, doch viele wissen kaum noch etwas vom Weltkrieg.“ Nun erzählt das Museum die Geschichte der Familie Frank chronologisch und erläutert an ihrem Beispiel die Geschichte der Judenverfolgung in Europa. „Das Versteck selbst aber ist nahezu unverändert“, betont Leopold.

Das Vorderhaus, in dem während des Krieges die Handelsfirma Opekta von Annes Vater Otto weitergeführt wurde, ist nun die Kulisse für die Geschichte der Familie. Sie emigriert nach der Machtergreifung Hitlers 1933 aus Frankfurt am Main. Knapp sieben Jahre führen die Franks ein relativ unbeschwertes Leben, bis die deutsche Wehrmacht die Niederlande 1940 besetzt. Nun startet auch dort die Judenverfolgung. Als Annes Schwester Margot 1942 die Deportation droht, taucht die Familie unter. Anne ist 13 Jahre alt.

Die Treppe hinter dem Bücherregal führt zum Versteck. Während in die unteren Räume Tageslicht fällt, sind oben die Fenster abgedichtet – niemand durfte die Untergetauchten sehen oder hören.

Tod in Bergen-Belsen

Die engen Bodenkammern sind einfach und leer – genau wie 1944 nach der Razzia der Nazis. An die Wände hatte Anne Starfotos auf die verblichenen Tapeten geklebt: Greta Garbo, Heinz Rühmann. An einer Wand sieht man noch die Bleistiftstriche, mit denen Vater Otto Frank festhielt, wie viel seine Töchter Margot und Anne gewachsen waren. Nur Fotos an den Wänden zeigen, wie es dort zu Zeiten Annes ausgesehen haben muss. Zitate aus dem Tagebuch lassen den Besucher die Bedrohung fühlen. Bis zuletzt.

Das Versteck wird 1944 verraten und die acht Untergetauchten deportiert – mit dem letzten Transport vom niederländischen Lager Westerbork nach Auschwitz. Anne wird wie auch ihre Schwester Margot im KZ Bergen-Belsen sterben, nur wenige Wochen vor der Befreiung. Anne wurde 15 Jahre alt. Nur Vater Otto überlebte. Er kehrte nach dem Krieg nach Amsterdam zurück. Helfer hatten Annes Tagebücher gerettet. Otto veröffentlichte diese 1947.

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