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NWZonline.de Nachrichten Kultur

PREMIERE: Angeschrägter Blick auf einen Klassiker

15.12.2008

BREMEN Mit einem kurio-sen Konzept verblüfft die Neuinszenierung von Molières „Der Menschenfeind“ im Bremer Schauspielhaus: Der Boden ist mit Matratzen bedeckt, überall fläzen sich langhaarige Gammler. Offenbar ist man irgendwo in den 70er Jahren gelandet. RAF-Typen mit taillierten Jacketts und düsteren Sonnenbrillen schlendern umher. Es dominiert die zweifelhafte Gangster-Attitüde eines Andreas Baader. Mittendrin in diesem Milieu: ein magenkranker Pulliträger, dem das Revoluzzer-Geschwätz mächtig auf die Nieren schlägt.

Regisseurin Alice Buddeberg lenkt mit dem dramaturgischen Kunstgriff die Polemik der Vorlage in neue Bahnen. Die Geschichte vom verbitterten Individualisten, dem die Oberflächlichkeit der höfischen Schmeichelei zuwider ist, verwebt sie mit Affektiertheiten aus der jüngeren Geschichte. Die Schönredner sind hier linke Schnacker. Und dieser Misanthrop betreibt also Motzereien gegen moderne Maskierungen.

Fast leer geräumt wurde zu diesem Zweck die Bühne von Ausstatterin Sandra Rosenstiel. Das durchweg junge Ensemble um den hervorragenden Daniel Fries in der Titelrolle präsentiert sich mit viel Sinn für szenische Fantasie. Besonders die Liebesszenen mit der jugendlich strahlenden Franziska Schubert überzeugen. Dann lebt auch Molières Sprachwitz auf: „Wir Menschen gelten als vernünftige Wesen? Wer das behauptet, ist nie Mensch gewesen!“

Die restlichen Figuren weiden auf grotesker Spielwiese. Guido Gallmann als rührender Hippie Hagestolz Oronte wäre zu nennen, der sein Gedicht als Song zur Gitarre vorträgt. Oder Sven Fricke, der den Philinte mehr als mondgesichtige Gedankenblase denn als echten Menschen gibt. Tobias Beyer, Johannes Flachmeyer, Varia Sjöström und Eva Gosciejewicz komplettieren die komisch terrible Truppe.

In den gelungeneren Momenten des Abends ist all dies vergnüglich anzusehen. Doch das Bizarre nimmt zuweilen auch überhand, wenn mit riesigen Papptafeln als Briefen hantiert wird oder die Figuren sich wechselweise per Du und dann wieder per Sie ansprechen.

Empfehlenswert ist der Abend also für alle, die den angeschrägten Blick auf einen Klassiker zu schätzen wissen. Zur umjubelten Premiere stellten diese zum Glück die Mehrheit dar.

Karten: 0421/36 53 333

Alle NWZ-Theaterkritiken lesen Sie unter www.NWZonline.de/theater

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