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„Anima Eterna Brugge“ spielt in Bremen Die monumentale Klangkathedrale des Anton Bruckner

Volkmar Stickan
Das Orchester Anima Eterna Brugge unter der Leitung von Pablo Heras-Casado.

Das Orchester Anima Eterna Brugge unter der Leitung von Pablo Heras-Casado.

Patric Leo

Bremen - Es beginnt fast unhörbar: dieses Anfangstremolo aus dem heraus die Celli vibratolos ihren erhabenen Melodiebogen aufbauen und der die Tür zu einem der großartigsten und monumentalsten Sätze der Sinfonik öffnet. Anton Bruckners siebte Sinfonie erlebt durch das Orchester „Anima Eterna Brugge“ unter der Leitung ihres Dirigenten Pablo Heras-Casado in der Bremer Glocke eine beeindruckende und berührende Aufführung.

Samtweicher Klang

Dieses Orchester, das sich der historischen Aufführungspraxis widmet, verfügt über einen runden, samtweichen Klang, der auch im größten Tuttiausbruch nie forciert, einen Holzbläsersatz mit vielfältigen Farbnuancen, einen üppigen Blechsatz, der nie zudeckt und Streicher, die durch ihre Präsenz beeindrucken. Alles bleibt klar und durchsichtig. Vom fast unhörbaren Stillstand bis hin zu den gewaltigen Klanggebäuden des Schlusses.

Der Dirigent Pablo Heras-Casado hat die Wiedergabe dieser Sinfonie hörbar entschlackt und sich von vielen der Traditionsrubati verabschiedet. Und er zeigt viel Sinn für Farben, für Zeit und Ruhe, aber auch für extreme dynamische Stufungen und eine objektiv-analytische Sichtweise, die gerade dem ersten Satz dieser Sinfonie sehr zugutekommt. Dadurch wirkt die Entwicklung mancher Steigerung noch berührender und mancher Forteausbruch noch packender.

Mehr Zeit gebraucht

So sehr das erzählende Ausmusizieren des ersten Satzes überzeugte, so sehr hätte man dem Adagio-Satz mehr Zeit und Ruhe gegönnt. Ein Satz wie ein langsamer Gang durch eine gigantische Kathedrale, in der es überall trotz ihrer beeindruckenden Größe mit feinem Pinsel gezeichnete Farben zu entdecken gibt. Für vieles Hörenswerte hätte man mehr Zeit gebraucht. Die Ruhe am Ende dieses feierlichen Adagios, die das fantastische Tubenquartett und die Hörner (die Seele einer jeden Bruckner-Sinfonie) ausstrahlten, hätte dem ganzen Satz gutgetan.

Irritierendes Flimmern

Und dann im Finalsatz wieder dieses irritierende Tremoloflimmern, auf das die ersten Violinen mit einer großartigen rhythmischen Präzision ihr Thema setzen. Herrlich vorgetragene Streicherkantilenen, große pompöse Tuttiausbrüche, Verzweiflung und Resignation, Wut und Verzagen. Zu welch großer Musik Anton Bruckner, dieser kleine, bescheidene Mann aus Linz doch befähigt war, zeigt sich besonders in der erhabenen Klangentwicklung des Tuttis und in dem Sog zu der Größe des Schlusses hin, aus der trotz des überwältigenden Klanges noch die ganze Mixtur der Brucknerschen Farbpalette durchscheint.

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