Friesoythe/Mae Na Chorn - Es ist wirklich wichtig, die Kinder und die Projekte persönlich zu besuchen, um sicherzustellen, dass alle Kinder wohlauf sind und dass die Spendengelder sinnvoll eingesetzt wurden. Mit meiner Kollegin Anne Meyer wollte ich deshalb auch nach Mae Hae fahren. Gerne hätte ich ihr den Ort gezeigt, an dem ich 2007 zwei Monate lang ohne Strom und jeglichen Komfort in einer Holzhütte auf dem Boden geschlafen habe – alleine schon, um ihr Gesicht zu sehen, wenn sie einen Blick in das „Badezimmer“ geworfen hätte: eine Hocktoilette und einem schwarzen Eimer mit Regenwasser und Kelle. Auf der Veranda eine Feuerstelle, die einem nach Sonnenuntergang noch etwas Licht spendet, aber leider auch riesige Motten anzieht, die dann unglücklicherweise schon mal im Kochtopf landen. Trotz klein gehackter Ratte zum Mittagessen und geschmorter Fledermaus zum Abendbrot (dieses Angebot lehnte ich dankbar ab) war der Aufenthalt unbeschreiblich schön.
Unsere Fahrt nach Mae Hae musste aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse nach dem Regen ausfallen. Also fuhren wir ins nächste Kinderheim nach Mae Na Chorn. Wir kamen pünktlich zur allabendlichen Zusammenkunft der Heimeltern und über 50 Kinder an. Es wurde gesungen, getanzt und das Abendgebet gesprochen. Von dem lauten und kräftigen Gesang der vielen Kinder kann wohl jeder deutsche Musiklehrer wohl nur träumen.
Nach dem Austeilen von neu angeschafftem Schulmaterial – dank einer Spende eines deutschen Vereins –, begann unsere Bastelstunde. Anne Meyer hatte vor der Bergtour bereits im Büro der Raintree Foundation alle Vorbereitungen getroffen und fing an, den Kindern zu zeigen, wie sie das Blatt falten müssen. Ich habe beim Basteln zwei linke Hände und versuchte Anne mit meinem Thai zu helfen. „Ach, wie hieß das noch?“ – „Tscham mei dei“ („Ich erinnere mich nicht“). Also verließen wir uns lieber auf die bewährte Mit-Hand-und-Fuß-Methode. Es hat geklappt: Die Kinder haben fleißig gebastelt.
Zurück in Chiang Mai war es an der Zeit, das Gesehene und Erlebte Revue passieren zu lassen und über unsere weiteren Ziele für die Zukunft zu sprechen. Wir verbrachten etliche Stunden im Büro um den Zusammenschluss von Thai Care e.V. und der Raintree Foundation vorzubereiten, die geplante gemeinsame Internetseite zu planen und Arbeit aufzuteilen. Es wird eine anstrengende Zeit. Aber ich freue mich auf die neue Herausforderung und noch mehr freue ich mich darauf, dass ich nächstes Jahr im Sommer nicht nach vier Wochen wieder zurück nach Deutschland fliege. Denn dann kann ich sagen: „Deutschland adieu, Thailand sawasdee kaa… ich bleib noch ein Jahr.“
