• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

PREMIERE: Anspruchsvolles Polit-Drama mit Sprengstoff

23.02.2009

BREMEN Der Intellektuelle kann sich mal wieder nicht entscheiden: Soll er morden – oder soll er reden? Wie gerne würde er doch zu der coolen Widerstandstruppe gehören, wo ein Job als Attentäter zu vergeben ist. Sich einfach nur mit einer Bombe in der Ta-sche neben den Tyrannen stellen. . . Diskutieren oder Exekutieren, das ist in der Inszenierung von Sartres „Die schmutzigen Hände“ die Frage.

In diesem Polit-Drama steckt im wahrsten Sinne des Wortes Sprengstoff. Auf die Kollaborationen der Vichy Regierung unter deutscher Besatzung hatte Sartre sich 1948 mit dieser Hamlet-Para-phrase bezogen. In der Ein-richtung von Wulf Twiehaus für das Bremer Theater wird daraus ein vom Premierenpublikum gefeierter Thriller mit Schatten und Nebel, ein unruhiger Trip durch die Nacht.

Jugendlicher Wuschelkopf

Windig geht es zu, wenn auf der Bühne die Figuren unter vielen Straßenlaternen herumlungern. Zunächst biegt die unheimliche Untergrund- Kämpferin Olga (Sophie Basse) um die Ecke. Später wird die Szenerie von Dunkelmännern beherrscht (Jan Byl, Johannes Flachmeyer)

Es ist wirklich ein Alb-raum, in den dieser Hugo geworfen ist. Sven Fricke spielt ihn als jugendlichen Wuschelkopf, der dem Spiel aus Schuld und Sühne nicht entrinnen kann. Einen Mord an dem (vermeintlichen) Kollaborateur muss er begehen. Doch dieser erweist sich als netter Kerl und hat in der Gestalt von Siegfried W. Maschek durchaus gute Argumente für eine Realpolitik auf seiner Seite. Den unvermeidlichen Lauf der Dinge bringt Hugos ebenfalls albtraumhaft unpassende Frau (Varia Linnea Sjöström) ins Rollen. Als diese sich dem Klassenfeind an den Hals wirft, knallt es dann doch. Und Hugo begeht den Mord, für den es eigentlich keinen Grund mehr gibt.

Mikrofonverstärkung

Im Schauspielhaus geht all dies elegant über die Bühne. Immer wieder lässt der Regisseur die Darsteller in einen überzeugenden Alltagston fallen, der frisch und ungekünstelt über die Rampe kommt. Und da mit wohldosierter Mikrofonverstärkung gesprochen wird, gehen auch die leisen Töne nicht verloren. So etwa in der eindrucksvollen Szene, in der Maschek als Hoederer seinem Attentäter tief in die Augen blickt. Er liebe das Leben, nicht den Tod, sagt er, und es wird klar, dass diese Botschaft an die Terroristen zu allen Zeiten gerichtet ist.

Ein spannender Theaterabend, anspruchsvoll und gedankenscharf, wie man ihn sich wünscht.

Karten: 0421/36 53 333

Alle NWZ-Theaterkritiken unter www.NWZonline.de/theater

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.