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NWZonline.de Nachrichten Kultur

„Antifaschismus müsste Aufgabe der Gesellschaft sein“

18.01.2017

Düsseldorf Sie stammen aus Düsseldorf und Aachen, doch für Patriotismus sind die drei Rapper der Antilopen Gang nicht zu haben. Aus ihrer Sicht wird in Deutschland zu wenig im Kampf gegen Rechts getan: „Dass da Unterstützung fehlt, rächt sich aktuell.“ Im Interview geht es um Hassmails, die „Neue Rechten“ und die Zusammenarbeit mit Punk-Vorbildern wie Campino für das am Freitag erscheinende Album. Und darum, wie Atombomben die Wasserrutschenwirtschaft ankurbeln.

Im Netz verstärkt sich die Hetze von Rechts. In Bocholt ist deshalb sogar ein Kommunalpolitiker zurückgetreten. Hätten Sie gedacht, dass die Situation so schlimm ist?

Danger Dan: Dass sich aus der Mitte der Gesellschaft ein rechter Mob formt, der am Ende sogar Leute bedroht und Häuser anzündet, ist ja nichts Neues. Aber die Ausmaße, die es im Moment annimmt, die sind schon erschreckend und erschütternd. Dass Politiker in so einer Form massiv bedroht werden, ist unglaublich.

Haben die Medien das Problem zu lange ignoriert?

Panik Panzer: Ich glaube nicht, dass das medial so sehr ignoriert wurde. Die Medien haben das ja kritisch begleitet. Deshalb schotten sich die „Neuen Rechten“ ja ab und sprechen von der „Lügenpresse“.

Danger Dan: Antifaschistische Strukturen wurden über Jahre kriminalisiert. Es sind weitgehend Privatleute, die Spenden sammeln für NSU Watch oder für Opferhilfen. Ein paar Antifa-Gruppen kümmern sich, während von staatlicher Seite nur Steine in den Weg gelegt werden. Dabei müsste Antifaschismus Aufgabe der Gesellschaft sein. Dass da Unterstützung fehlt, rächt sich aktuell.

Auf dem neuen Album sind Sie punkiger, für das Bonusalbum haben Sie sogar mit Punk-Urgesteinen zusammengearbeitet. War das lange geplant?

Panik Panzer: Die Idee schwirrte schon seit längerer Zeit in unseren Köpfen herum. Das Bonusalbum war zwar auf den letzten Drücker, hat aber genauso geklappt, wie wir uns das gewünscht haben. All die Gäste, die wir angefragt hatten, die uns zum Teil schon seit unserer Jugend begleiten, haben zugesagt. Wir haben uns einen Traum verwirklicht.

Koljah: Wir hatten zum Beispiel Campino von den Toten Hosen und Peter Hein von den Fehlfarben am gleichen Tag im Studio. Das war schon ein Moment, in dem ich dachte: „Das ist jetzt krass“. Ich werde mich bestimmt immer daran erinnern, wie die beiden in der Aufnahmekabine stehen und die Texte singen, die wir geschrieben haben.

Auf dem neuen Album teilen Sie in alle Richtungen aus. Wehren Sie sich dagegen, jetzt salonfähig zu sein? Immerhin hat die NRW-Grünen-Chefin Sie in einem Tweet zu NRW in einem Rutsch mit Heinrich Heine und Joseph Beuys genannt.

Danger Dan: Das Absurde ist, dass wir mit allem, was wir machen, wirklich nicht aktiv dazu beitragen, salonfähig zu sein. Wir freuen uns, dass die dpa kommt. Aber wir hätten nicht gedacht, dass wir das mit der Forderung, eine Atombombe auf Deutschland zu werfen, schaffen. Für salonfähig halte ich mich nicht. Wäre ich eine WG, würde ich mich rausschmeißen.

Panik Panzer: Bei der Atombombe muss man ja auch die Vorteile sehen. Sie bietet nämlich eine Chance: Es geht ja nicht darum, dass wir destruktives Zeug daher labern. Wir möchten eine Art Wasser-Fantasialand schaffen mit vielen bunten Ballons, Rutschen, Limonade. Es geht darum, Raum zu schaffen für die positiven Dinge des Lebens. Das kann auch die Wasserrutschenwirtschaft ankurbeln.

Zur Antilopen Gang gehören die Rapper Koljah, Panik Panzer und Danger Dan. Einer größeren Öffentlichkeit wurden die Musiker durch den Song „Beate Zschäpe hört U2“ bekannt. 2015 erhielten sie den „New Music Award“ der jungen ARD-Sender. Die Antilopen Gang steht als einzige Rap-Formation beim Düsseldorfer Label der Toten Hosen unter Vertrag.

Ende 2015 war die Antilopen Gang für ein Konzert in Oldenburg. Lest hier das Interview.

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