„Schlossgarten bleibt grüne Insel der Ruhe“ ( NWZ  vom 20. April)

(...) Apfelbäume haben auch im Oldenburger Schlossgarten eine besondere Geschichte. Zwar heißt es, dass Obstbäume zu pflanzen dort mit der Form des Gartens im 19. Jahrhunderts nichts mehr zu tun habe. Warum? Weil es die Großherzöge, die es förderten, nicht mehr gibt? Friedrich August schätzte Obstbäume so, dass er 1907 den Landesobstgärtner und Pomologen Friedrich Immel zum Hofgärtner machte.

Das hatte seine Gründe, besonders einen: Seit dem Krieg 1870/71 hatte sich bei den Musterungen der Gesundheitszustand der Rekruten in der reichen Wesermarsch verschlechtert, im Gegensatz zu den Rekruten der ärmeren Geest. Dies zu ergründen, beauftragte Nikolaus Friedrich Peter einen seiner Amtsärzte. Der fand, dass die wohlhabenden Wesermarsch-Bauern ihre alten Küchengärten (...) zu Pferdeweiden gemacht hatten, weil die Pferdepreise durch den Krieg so gestiegen waren. (...)

Der Amtsarzt verwandelte nun seinen Garten an der Weser in einen Küchen- und Obstgarten und zeigte den Bauern, wie man Äpfel über den Winter bringt. Das war in Elsfleth, wohin der Großherzog öfter mit seiner Yacht „Lensahn“ kam. Heute ist dies Haus ein Schifffahrtsmuseum, und seitdem gibt es dort keine Obstbäume mehr. Schade, wenn das auch im Schlossgarten so käme, wo Trixi Stalling (...) die alten Apfelkulturen zu erhalten versucht gegen alle Widerstände. Schade, wenn wir auch um diese Kultur ärmer würden.

Dr. Helmuth Steenken, Oldenburg