• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Arp Schnitger erhält ein Gesicht

27.01.2017

Golzwarden /Brake Als Oberlogistiker und Vorarbeiter eines europaweit agierenden Orgelbau-Konzerns war Arp Schnitger ein bedeutender und vermögender Mann. Kunstvolle Porträtbilder seiner Person hätten seine Reputation vor 320 Jahren angemessen gewürdigt. Doch nichts davon: In der Vor-Selfie-Periode ging sowieso noch kein Selbstbild mit Orgel. Und Modell gesessen für Maler mit hohen Stundenlöhnen hat er auch nicht. Und niemand wusste, wie Arp Schnitger (1648–1719) ausgesehen hat – bis jetzt.

„Eine Sensation“ nennt Harald Vogel den aktuellen Nachweis einer Abbildung des aus der Wesermarsch stammenden legendären Baukünstlers. Als Beiratsmitglied der Arp-Schnitger-Gesellschaft verweist der Organist und Orgelsachverständige dabei auf ein Gemälde in der Brüstung der Orgelempore in der Kirche St. Bartholomäus in Golzwarden (Stadt Brake/Kreis Wesermarsch). Drei Instrumentalisten sind darauf zu sehen, dazu mittig eine weitere Person, die mit dem rechten Arm eine Schriftenrolle in die Höhe reckt. Ein gedrungen kräftiger Mann mit rundlichem Gesicht, um die 50 Jahre alt: „Das ist Arp Schnitger!”

Der Theologe und Kunstwissenschaftler Dietrich Diederichs-Gottschalk (66) hat den bedeutendsten norddeutschen Orgelbauer der Barockzeit „zweifelsfrei identifiziert“. Selbst bei größter Vorsicht sagt er noch: „Zu 99 Prozent!” Diederichs-Gottschalk, zuletzt von 1993 bis 2012 Pastor in Sandstedt an der Weser, hat dazu die 58 Golzwarder Tafelbilder von Christoph Walzell aus den Jahren 1700 und 1701 intensiv untersucht.

Zudem hat er Querverbindungen geknüpft, zu Inschriften und bildlichen Darstellungen in Hollern bei Stade und nach Hamburg. Dort ist der Komponist Dieterich Buxtehude in ähnlicher Form festgehalten.

1697/98 hatte Schnitger die Orgel in Golzwarden restauriert, um Pfeifen ergänzt und mit einem prunkvollen Gehäuse ausgestattet, das noch heute vorhanden ist. Die Arbeiten führte er zum Selbstkostenpreis aus, für 380 Reichsthaler, „weil ich in diesem Dorfe geboren und getauft bin“. Als Gegenleistung erhielt er das Versprechen, dass er in der Kirche durch eine bildliche Darstellung verewigt würde.

Folglich lag der Fokus der in Golzwarden selbst ansässigen Schnitger-Gesellschaft schon immer auf den Bildern in St. Bartholomäus. „Wir haben fälschlicherweise zuvor auf eine benachbarte Darstellung getippt, die einen Organisten in der Rückansicht zeigt”, räumt Helmut Bahlmann, der 2. Vorsitzende der Gesellschaft, schmunzelnd ein.

Diederichs-Gottschalk passte das Geschehen an der Wende zum 18. Jahrhundert zeitlich in einen engen Rahmen und sicherte seine Hypothesen mit akribischer Detailarbeit ab: „1698 war die Orgel fertig, bis 1701 hatte der hervorragende Maler Walzell die Kirchenbilder vollendet, in dieser Zeit hielt sich Schnitger mehrfach hier auf. Da sollte wohl das zugesagte Bild entstanden sein“.

Zusätzlicher Anlass zur bildlichen Würdigung war auch das frisch verliehene Orgelbau-Privilegium durch den dänischen König für die zu seinem Herrschaftsbereich zählende Grafschaft Oldenburg. „Diese Papierrolle hält Schnitger stolz in die Höhe.“

Auch die drei anderen Personen sind eindeutig porträtiert und nicht stilisiert. Über ihre Identität kann der Forscher aber nur spekulieren: „Der Bassist rechts könnte etwa der Oldenburger Lamberti-Organist Wichert sein, der Kopf hinten links könnte dem überaus kunstsinnigen Pfarrer Günther Coldewey gehören, der Geiger links im Vordergrund dürfte der Kirchenorganist sein.“

170 Selfies mit Orgel hätte Schnitger fertigen können. So viele kostbare Instrumente hat er in Europa zwischen Moskau und Lissabon in Kirchen eingebaut.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.