ASCHHAUSERFELD - ASCHHAUSERFELD - Wenn man zu Heike Lorenz-Haag will, kommt man an Fernet nicht vorbei: Hinter dem Zaun des Hauses Nr. 17 an der Richtmoorstraße beginnt das Reich des großen, schwarzen Respekt einflößenden Hovawart-Rüdens, der mit kugelrunden, braunen Augen jeden taxiert, der sich dem Grundstück nähert. „Wegen ihres lieben Blicks und ihrer Menschenfreundlichkeit werden Hovawarts vielfach unterschätzt“, sagt Heike Lorenz-Haag, nachdem der vierbeinige Wächter nach ihrem „Okay“ den Gast hineintreten lässt. „Hovawarts sind temperamentvolle, arbeitsfreudige, robuste, vielseitig einsetzbare Gebrauchs- und Familienhunde mit ausgezeichneten Wach- und Hütequalitäten, die jedoch – wie alle Hunde – einer konsequenten Erziehung bedürfen.“

Fernet ist vorbildlich erzogen. Das muss auch so sein, denn der Vierbeiner ist bei weitem nicht nur der tierische Freund der 63-Jährigen, sondern zugleich verlässlicher Partner in manch‘ schwieriger Mission: Heike Lorenz-Haag und Fernet gehören zur Rettungshundestaffel Weser-Ems, einer Organisation, die sich über Spendengelder finanziert und deren Mitglieder ehrenamtlich tätig sind. „Wir werden zu 99,9 Prozent von der Polizei angefordert und unterstützen Maßnahmen der Beamten bei der Suche nach Vermissten in der Region Weser-Ems“, sagt die gebürtige Hamburgerin, die seit vier Jahren auch Vorsitzende der Rettungshundestaffel ist. Natürlich steckten die Mitglieder, die zwischen 18 und 67 Jahre alt seien und ein- bis zweimal wöchentlich mit ihren Hunden probten, solche Einsätze nicht ohne weiteres weg.

Wenn Kinder verschwunden seien oder sogar tot aufgefunden würden, ginge das schon sehr an die Nieren. Nur durch gezielte Betreuung und viele Gespräche insbesondere mit erfahrenen

Staffelmitgliedern könnte man lernen, solche Einsätze zu verarbeiten. Besonders nachhaltig für alle Beteiligten sei auch ein Einsatz gewesen, der Mitglieder der Rettungshundestaffel vor fünf Jahren in ein Erdbebengebiet der Türkei geführt habe. Doch nicht nur für die Rettungshundestaffel engagiert sich die Ammerländerin, die als junge Frau gern Tiermedizin studiert hätte und Krankenschwester wurde. In vielen Bereichen rund um den Hund ist Heike Lorenz-Haag aktiv: In ihrer Heimatstadt Hamburg gehörte sie vor 30 Jahren zu den ersten Frauen, die Hundeausbilderin wurden und obendrein Schutzdiensthelferin, die bei der Ausbildung von Hunden als „Scheintäter“ fungieren. Später wurde sie Körmeisterin und Hunderichterin im Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde, Ämter, die sie heute noch im In- und Ausland ausübt. Außerdem ließ sie sich zur Zuchtwartin, ausbilden und

arbeitet in der Welpenschule der Landesgruppe Oldenburg im Rassezuchtverein für Hovawarts und ist Tierschutzbeauftragte des Gesamtverbandes.

Doch Hunde sind nicht alles: Musik und Literatur liebt die 63-Jährige, außerdem betreut sie noch die Offiziersfrauen des Bundeswehrkrankenhauses, das ihr verstorbener Mann, Dr. Werner Haag, früher einige Jahre leitete.