ATENS - ATENS - Bevor das Stück beginnt, öffnet sich der Vorhang der „Friedeburg“. Es erscheint eine weibliche Gestalt mit einem Gummi-Löwenkopf unter dem lateinischen MGM-Motto, die kurz aufbrüllt, nach der Pause, beim zweiten Auftritt, gar wiehert. Damit ist klar, dass das Oldenburgische Staatstheater den Musical-Klassiker „Hello Dolly“ leicht nimmt.

Gleich nach der schwungvollen – tatsächlich häufig swingenden – Ouvertüre, mit der das Oldenburgische Staatsorchester unter der Leitung von Thomas Bönisch souverän auf den Abend einstimmt, erscheint Dolly Gallagher Levi (Marcia Parks), die Heldin des Abends. Es ist keineswegs Standard, dass auf Musical-Bühnen so gut gesungen und gespielt wird, wie die Kammersängerin dies tut.

Sie ist Multi-Unternehmerin, arbeitet aber in dem Stück vorzugsweise als Heiratsvermittlerin. Da sie selbst seit längerem verwitwet ist, beabsichtigt sie nun, sich selbst einen wohlhabenden Ehemann zu angeln.

Ihre Wahl fällt auf Horace Vandergelder, einen „Halb-Millionär“ aus der Futtermittelbranche, der in der Klein-

stadt Yonkers vor den Toren New Yorks lebt. Jens-Müller-Rastede präsentiert diesen verdrießlichen, überaus geizigen Macho-Witwer mit viel Verve. Eigentlich gilt die gut aussehende New Yorker Hutmacherin und Geschäftsfrau Irene Molloy (prima „irisch“-temperamentvoll besetzt mit Magdalena Schäfer) als Kandidatin, doch Dolly bringt noch die ominöse „Universalerbin Ernestina Money“ ins Spiel – für Horace ein verlockendes Angebot.

Die Handlung beginnt in New York, dessen multiethnische Bevölkerung durch das tolle Ballett und Opernchor dargestellt die Bühne belebt. Als Erste tauchen dort am Hutladen Vandergelders Angestellte Cornelius Hackl (Thomas W. Kuckler) und Barnaby Tucker (Arne David) auf. Irene und ihre Assistentin Minnie Fay (Irina Wischnizkaja) lassen sich sogleich auf einen Flirt ein, den Vandergelders Ankunft stört. Somit ist die erste Kandidatin für ihn aus dem Rennen. Die beiden Angestellten dürfen ihre Angebeteten aber ins Restaurant ausführen.

Dort treffen sie auf Horace, dessen Traumfrau Ernestina (Thilo Meyer) einerseits sehr maskulin wirkt, andererseits keine Rücksicht auf seinen Geiz nehmen mag und es sich auf seine Kosten gut gehen lässt. In dem Restaurant tauchen außerdem Horace’ weinerliche Nichte Ermengarde – sie ist noch 17! – und ihr Auserwählter, der Maler Ambrose Kemper (Daniel Behle), auf, der mit „New York, New York“ als Frank-Sinatra-Verschnitt zu erleben ist.

Dolly hat ihren großen Auftritt: Man kennt sie in dem Etablissement und alle stimmen gemeinsam den Titelsong des Musicals an, den Louis Armstrong unsterblich machte. Ein voller und ein leerer Geldbeutel werden vertauscht, der Abend endet mit einem Eklat und eben jener „Richter Salesch“ (Marne Ahrens gekonnt clownesk) verurteilt ausgerechnet Horace als Verantwortlichen.

Wozu sind Probleme da? Sie kommen Dolly nur zu recht. Am Ende hat sie es geschafft: Sie hat neben ihrer eigenen drei Ehen gestiftet und Horace muss darüber glücklich sein. Dolly wird nun, darin dem Vermächtnis ihren ersten Ehemannes folgend, dafür sorgen, dass Horace’ Geld unter die Leute kommt, wo es hingehört.

Neben den Leistungen der Darsteller und des Orchesters überzeugte auch der Bühnenbau. Die Kulissen waren ebenso aufwendig wie effektiv gestaltet. Ein Clou war der pinkfarbene Hutsalon der Irene Malloy mit einer behüteten Mona Lisa an der Wand.