ATENS - ATENS - Der Holzschnitzer Geppetto ist ein alter Mann. Er fühlt sich einsam in seinem kleinen Häuschen und beginnt eines Abends, eine Puppe aus Holz zu schnitzen. Als er seine Feile und dann den Stechbeitel ansetzt, um dem Pinienbalken Kontur zu verleihen, hört er plötzlich einen Aufschrei. Auch Schulkinder hörten gestern diesen Klagelaut. Sie saßen in der „Friedeburg“ und verfolgten gespannt die Aufführung der Landesbühne Nord aus Wilhelmshaven.
Die Geschichte der kleinen hölzernen Figur Pinocchio (gespielt von Daniel Gärtner) übt noch immer eine große Faszination aus. Der Klassiker von Carlo Collodi verzauberte gestern bei zwei Vorstellungen rund 800 Grundschulkinder sowie die Mädchen und Jungen des AWo-Sprachheilkindergartens in der Stadthalle.
Zuerst sah das Publikum nur eine große Holzkiste, die auf der Bühne stand. Nachdem der stärkste Mann der Welt (Marco Alvaro) den sperrigen Karton geöffnet hatte, tauchte Meister Geppetto (Andrej von Sallwitz) auf. Er setzte sich auf einen Schemel und schnitzte den kleinen Jungen Pinocchio aus Holz.
In seinem roten Wams, den holzmaserigen Strümpfen an den Beinen und den beiden Holzklötzen an den Füßen kam der Darsteller dem Tausendsassa ziemlich nah. Auch Geppettos Garderobe ließ keinen Zweifel aufkommen: Hier war ein echter Holzschnitzer am Werk.
Die jungen Zuschauer waren begeistert. Als die schlaue Grille (Nikola Lenk) in ihrem schönen grünen Kostüm auf die Bühne trat und die Fee mit den blauen Haaren (Wibke Quast) dem quirligen Bengel gut zusprach, gab es Szenenapplaus. Es gelang den beiden selbstverständlich, einen braven Kerl aus Pinocchio zu machen. Bis dahin war es ein weiter Weg.
Unter der Regie von Dietrich Trapp und der Musik von Udo Becker spielten alle Akteure überzeugend. Immer wieder ließ sich Pinocchio auf ein leichtsinniges Abenteuer ein. Doch meistens legten ihn nur die beiden Gauner, der hinterlistigen Fuchs und der räudige Straßenkater rein. Zum Glück gibt es ja die gute Fee. Sie hatte sich auch gestern vorgenommen, aus Pinocchio einen braven Jungen aus Fleisch und Blut zu machen, der zwischen Recht und Unrecht unterscheiden kann. Dass aber auch sie ihre liebe Not mit ihm hatte, sahen die verzückten Kinder.
