ATENS - Am Ende einer mit knapp 180 Minuten recht kompakten Aufführung der Shakespeare-Komödie „Ende gut, alles gut“ waren sich fast alle Theaterbesucher einig: Das hat Spaß gemacht und Lust auf mehr.
Das aus fünf Mitgliedern bestehende Ensemble spielte nicht nur 17 Rollen, sondern zeigte sich in diesen auch sehr musikalisch. Mit einen an Frankreich-Klischees erinnernden Stück in der Besetzung Gitarre, Kontrabass, Waschbrett, Akkordeon und singende Säge eröffneten vier Köche und ein Teenager das bunte Allerlei, in dessen Inhalt Elemente aus verschiedenen theatralen Formen zu einer witzig-spritzigen, aber nie flachen Mischung verkocht wurden.
Eine heilende Rezeptur
Die Dienerin Helena (Janina Zamani) liebt Bertram – warum auch immer – und folgt ihm. Als Tochter eines berühmten Heilers hat sie dessen Rezepturen geerbt und heilt den gebeutelten Monarchen. Zum Lohn erhält sie Bertram zum Gatten. Der jedoch will weder geheiratet werden noch von einer Frau unterhalb seines Standes.
Er flieht nach Italien in den Kriegsdienst. Dort – unter der Herrschaft des als schießwütigen Cowboy kostümierten Herzogs von Florenz – wird er zum „Helden“ und begehrt die Tochter einer Witwe und Pizzabäckerin. Doch auch Helena reist an, stellt Bertram gemeinsam mit der Witwe eine Falle und nimmt ihn als Ehemann mit nach Hause: Ende gut, alles gut!
Unter der Oberfläche dieser scheinbar banalen Handlung tauchen viele Shakespeare-Themen auf, die nichts an Aktualität verloren haben. Es geht um Jugend und deren Vergänglichkeit, das Macht-Verhältnis von Mann und Frau und auch um fleischliche Gelüste, um die Beziehung von Herr und Knecht, wobei dieser wieder einmal viel klüger ist als sein Gebieter, und auch um das Wesen der Männlichkeit, um Liebe und Gewalt, um die Fragwürdigkeit von politischer Herrschaft. Immer wieder gibt es Szenen, die bei aller Komik nachdenklich stimmen.
Perfekte Unterhaltung
Insgesamt aber überwiegt der Genuss an der perfekten Theater-Unterhaltung. Da bedient sich Florenz bei Schiller und wagt den Apfelschuss – mit Pistole und abgewandten Augen. Die Reise von Frankreich nach Italien symbolisiert ein Spielzeug-Zug, dessen Lok gar im Takt Dampfwölkchen ausstößt. Paris erkennt der Zuschauer am stilisierten Eiffelturm, Italien an sonnengelben Tüchern und verschiebbaren Zypressen.
Wo so viel Fantasie, Liebe und Professionalität in ein Theaterstück investiert werden, ist es nur zu verständlich, dass viele Besucher sich bereits auf den nächsten Besuch der Bremer an der Unterweser freuen. Einige werden aber gewiss ihrerseits den Weg nach Bremen nehmen, denn zu Hause ist die Company noch faszinierender!
