Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Theater Liebe, Schmerz und Apfelschuss

Klaus Turmann

ATENS - Am Ende einer mit knapp 180 Minuten recht kompakten Aufführung der Shakespeare-Komödie „Ende gut, alles gut“ waren sich fast alle Theaterbesucher einig: Das hat Spaß gemacht und Lust auf mehr.

Das aus fünf Mitgliedern bestehende Ensemble spielte nicht nur 17 Rollen, sondern zeigte sich in diesen auch sehr musikalisch. Mit einen an Frankreich-Klischees erinnernden Stück in der Besetzung Gitarre, Kontrabass, Waschbrett, Akkordeon und singende Säge eröffneten vier Köche und ein Teenager das bunte Allerlei, in dessen Inhalt Elemente aus verschiedenen theatralen Formen zu einer witzig-spritzigen, aber nie flachen Mischung verkocht wurden.

Eine heilende Rezeptur

Die Dienerin Helena (Janina Zamani) liebt Bertram – warum auch immer – und folgt ihm. Als Tochter eines berühmten Heilers hat sie dessen Rezepturen geerbt und heilt den gebeutelten Monarchen. Zum Lohn erhält sie Bertram zum Gatten. Der jedoch will weder geheiratet werden noch von einer Frau unterhalb seines Standes.

Er flieht nach Italien in den Kriegsdienst. Dort – unter der Herrschaft des als schießwütigen Cowboy kostümierten Herzogs von Florenz – wird er zum „Helden“ und begehrt die Tochter einer Witwe und Pizzabäckerin. Doch auch Helena reist an, stellt Bertram gemeinsam mit der Witwe eine Falle und nimmt ihn als Ehemann mit nach Hause: Ende gut, alles gut!

Unter der Oberfläche dieser scheinbar banalen Handlung tauchen viele Shakespeare-Themen auf, die nichts an Aktualität verloren haben. Es geht um Jugend und deren Vergänglichkeit, das Macht-Verhältnis von Mann und Frau und auch um fleischliche Gelüste, um die Beziehung von Herr und Knecht, wobei dieser wieder einmal viel klüger ist als sein Gebieter, und auch um das Wesen der Männlichkeit, um Liebe und Gewalt, um die Fragwürdigkeit von politischer Herrschaft. Immer wieder gibt es Szenen, die bei aller Komik nachdenklich stimmen.

Perfekte Unterhaltung

Insgesamt aber überwiegt der Genuss an der perfekten Theater-Unterhaltung. Da bedient sich Florenz bei Schiller und wagt den Apfelschuss – mit Pistole und abgewandten Augen. Die Reise von Frankreich nach Italien symbolisiert ein Spielzeug-Zug, dessen Lok gar im Takt Dampfwölkchen ausstößt. Paris erkennt der Zuschauer am stilisierten Eiffelturm, Italien an sonnengelben Tüchern und verschiebbaren Zypressen.

Wo so viel Fantasie, Liebe und Professionalität in ein Theaterstück investiert werden, ist es nur zu verständlich, dass viele Besucher sich bereits auf den nächsten Besuch der Bremer an der Unterweser freuen. Einige werden aber gewiss ihrerseits den Weg nach Bremen nehmen, denn zu Hause ist die Company noch faszinierender!

Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Die Mitglieder vom BSV Kickers Emden stimmen am Donnerstagabend für die Ausgliederung der ersten Herren in eine GmbH.

POSITIVES VOTUM Mitglieder geben Grünes Licht für die Kickers-Emden-GmbH – Rießelmann spricht von „Happy End“

Lars Möller
Emden
Stellten die Ausweitung des Konzeptes „Wilhelmshaven sicher“ auf den Busverkehr der Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft vor: (v.li.) Frank Rademacher (Geschäftsführer Stadtwerke-Verkehrsgesellschaft Wilhelmshaven), Polizeidirektor Heiko von Deetzen, Projektleiter und Polizeihauptkomissar Tim Bachem und Oberbürgermeister Carsten Feist.

POLIZEIPRÄSENZ IM BUSVERKEHR Hausrecht der Polizei stärkt ab sofort Sicherheit in Bussen

Lutz Rector
Wilhelmshaven
Kommentar
Klimaaktivisten der Gruppe „Fridays for Future“ in Saarbrücken werfen Bundeskanzler Scholz vor, bei seinem Besuch in der vom Hochwasser betroffenen Region und in seiner Ansprache „die Klimakrise fahrlässig ausgeblendet“ zu haben.

UMWELTPOLITIK Durch mehr Klimaschutz gibt’s nichts zu verlieren

Jana Wolf Büro Berlin
Eine junge Lehrerin schreibt Mathematikaufgaben an eine Schultafel. Niedersachsen will 390 Schulen im Land nach Sozialindex stärker fördern.

NEUES PROGRAMM FÜR 390 SCHULEN Wie Niedersachsen mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen will

Stefan Idel Büro Hannover
Hannover
Lara und Philipp Schumacher wollen gemeinsam mit ihren drei Kindern ein neues Leben auf Mallorca beginnen. Dafür bereiten sie seit Jahren alles vor – und der letzte, mehrmonatige Aufenthalt vor der Auswanderung begann mit einem herben Rückschlag.

BETROGEN UND ENTTÄUSCHT Emder Familie kämpft nach Betrug auf Mallorca um ihren Traum

Aike Sebastian Ruhr
Emden