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Weihnachten Auch Hindus feiern mit Tannenbaum

Benjamin Scholz

Dehli - Während Norddeutschland vor kurzem noch vor Kälte bibberte, kommen in Delhi zur Mittagszeit gelegentlich sogar Frühlingsgefühle auf. Mitten im Dezember, dem Monat, den wir Mitteleuropäer für gewöhnlich mit Plätzchenessen bei Kerzenschein am Kamin verbinden. Die Hoffnung auf eine weiße Weihnacht begleitet die Deutschen seit jeher. Oft wird sie enttäuscht. In Delhi gab es diese Hoffnung nie. Weihnachtsstimmung kommt da bei mir nur bedingt auf, zumal auch äußerlich wenig auf das bevorstehende christliche Fest hindeutet.

Feiertag

Immerhin ist in Indien der 25. Dezember einer von zahlreichen Feiertagen im Jahr. Viele sind religiöser Natur, was wenig verwunderlich ist, angesichts der religiösen Vielfalt im Land. Laut Auswärtigem Amt sind etwa 80,5 Prozent der Inder Hindus, 13,5 Prozent Muslime und rund 1,8 Prozent Sikhs. Die Christen stellen mit 2,3 Prozent der Einwohner ebenfalls nur eine Minderheit dar.

Rishabh, 20-jähriger Student am Goethe-Institut in Delhi, erzählt, dass auch viele Hindus am 25. Dezember feiern: »Wir feiern, indem wir unsere Häuser mit einem Tannenbaum, Sternen und Lichtern schmücken und laute Musik hören, zu der wir Party machen.« Andere gingen zum Gebet in die Kirche und wieder andere nutzten den Tag für einen Schaufensterbummel im Einkaufszentrum.

Der Muslim Raza, 19, schätzt, dass knapp die Hälfte seiner Mitgläubigen Weihnachten feiert. Einige feierten mit Weihnachtsmännern oder gingen in die Kirche. Andere dagegen feiern so wie Raza: »Meistens laden uns christliche Freunde ein, mit uns zu feiern.«

Für mich ist es das erste Weihnachtsfest fern der Heimat. Den Heiligabend werde ich möglichst konventionell im Kreise deutscher Freiwilliger verbringen. Nachmittags steht sogar der Besuch eines deutschen Gottesdienstes mit Krippenspiel an.Dennoch ist Weihnachten in Delhi nicht wie Weihnachten in Cloppenburg.

Weihnachten gilt als das Fest der Liebe, das fast jeder mit seiner Familie verbringt. Und es ist etwas Wahres an der Behauptung, in der Weihnachtszeit sei das Heimweh besonders stark. Die Option, über die Feiertage zurück nach Deutschland zu fliegen, habe ich trotzdem frühzeitig verworfen. Zu mulmig war das Gefühl, binnen weniger Tage gleich zweimal zwischen zwei verschiedenen Welten zu wechseln. Das kurzzeitige Glück muss auf lange Sicht nicht die besten Konsequenzen nach sich ziehen. Und im Zeitalter des Internets eröffnet sich ja die Möglichkeit, während der Feiertage über den Video-Telefondienst Skype die Familie zu sehen. Natürlich kann Skype nicht die persönliche Begegnung ersetzen.

kein Ersatz

Natürlich ist Weihnachten in Delhi kein Ersatz für ein Weihnachten in Cloppenburg. Es ist völlig anders, eine komplett neue Erfahrung. Sie führt mir vor allem Eines vor Augen: Ursprünglich hat der Heiligabend eine rein religiöse Bedeutung. Tannenbaum, Weihnachtsmann und Lichterketten sind ein schönes Brauchtum, das für uns mittlerweile genauso zum Fest gehört wie das Kind in der Krippe – für viele fast sogar schon noch mehr.

Die Botschaft des Weihnachtsfestes bleibt dabei immer öfter auf der Strecke. Dabei betrifft sie Menschen in Delhi genauso wie in Berlin, New York – oder Cloppenburg.

Frohes Fest

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