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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Auch Männer werden hübscher

14.06.2008

[ /VORSPAUTOR][AUTOR] Deutlich mehr Vergnügen als das Spiel der deutschen Nationalmannschaft bereitete den Zuschauern die Premiere des „Hässlichen“ in der straffen Inszenierung von Ingo Putz im Staatstheater. Das 70 Minuten dauernde Stück stammt aus der Feder des im Moment sehr angesagten jungen deutschen Dramatikers Marius von Mayenburg (35).

Da werden die Zuschauer im nicht voll besetzten Saal gleich zu Beginn mit einer Lachnummer konfrontiert: ein Akteur fliegt als überdimensionierte Biene – an Stricken baumelnd und wild mit den zu kleinen Flügeln schlagend – über ein riesiges Feld von Sonnenblumen, das optisch das Bühnenbild (Steffen Lebjedzinski) prägt.

Kaum ist das Rieseninsekt gen Decke entwichen, setzt ein munteres dialogisches Kurzpassspiel ein, das herzhafte Lacher erzeugt. Dabei geht es durchaus um gewichtige Themen wie Identität, Individualität und Schönheit, die aber so pointiert in den Blick geraten, dass ihnen jede Schwere genommen wird. Zum Nachdenken bleibt einfach keine Zeit.

Der arglose Ingenieur Lette (Klaas Schramm) ist sich seiner Hässlichkeit nicht bewusst. Als er seine revolutionäre Erfindung eines Steckschalters öffentlich präsentieren will, müssen sein Chef (Thomas Birklein) und auch die eigene Frau Fanny, entzückend verkörpert von Eva-Maria Pichler, ihm offenbaren, wie furchtbar er aussehe.

Das Produkt könne nur von einem schönen Menschen gewinnbringend verkauft werden. Kurzentschlossen unterzieht sich Lette einer radikalen Schönheitsoperation, die mehr als drastisch ins Bild gesetzt wird. Die OP gelingt derart, dass bald viele Männer wie Lette aussehen wollen. So stellt das Stück in leichtfüßiger Darbietung hintersinnig die Frage nach dem Zusammenhang von Ästhetik, Liebe und Konsum, von Markt, Mensch und Masse.

Der Ununterscheidbarkeit des Einzelnen entspricht auch die szenische Struktur: die Schauspieler wechseln von einer zur anderen Sekunde ihre Rolle. Dass sich die Figuren in ihrem Doppelspiel mimisch-gestisch kaum ändern, passt zu ihrer Entindividualisierung. Allein Lette scheint sich treu zu bleiben.

Von dem anhaltenden und kräftigen Applaus konnten an diesem Abend Poldi und Co. nur träumen.

Karten: 0441/22 25 111

Alle NWZ-Theaterkritiken unter:

www.NWZonline.de/theater

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