Varel - „Ich war doch ein niedliches Kind“, sagt Elisabeth Schneider und streicht mit dem Finger über das Foto. Aufgenommen wurde das Bild 1902 in Bad Oeynhausen, wo sie im Jahr zuvor zur Welt kam. Elisabeth Schneider, geborene Reuter, wird an diesem Sonntag 111 Jahre alt und gilt damit inoffiziell als der älteste Mensch in Deutschland.

Sie sitzt in ihrem Rollstuhl im Aufenthaltsraum des Seniorenheims „To Huus“ in Büppel und lächelt bei der Begrüßung. „Was woll’n Sie denn wissen? Seien Sie nicht zu neugierig“, scherzt sie, und nach wenigen Minuten ist klar: Elisabeth Schneider ist eine Frohnatur. Sie sagt es anders: „Ich bin kein Trauerkloß“ und lacht.

Die Basis dafür ist wahrscheinlich in ihrer Kinderzeit gelegt worden. „Meine Oma hat eine wunderschöne Kindheit in Oeynhausen erlebt“, berichtet ihre Enkelin Ute Yalcin (58). Über die Jahre sei das eines der immer wiederkehrenden Gesprächsthemen ihrer Großmutter gewesen. Ein Foto zeigt Elisabeth Schneider 1913 im Alter von zwölf Jahren mit ihren beiden Schwestern lachend beim Schaukeln im Garten. Die Familie wohnte in einem schönen Haus mit Park, in dem ihr Vater Anton Reuter königlich-preußischer Obergärtner war.

Nach ihrer Schulzeit arbeitete Elisabeth Schneider als Bürokraft an der Schreibmaschine und als Stenografin, ehe sie 1923 Louis Schneider heiratete, von Beruf Schneidermeister, und mit ihm nach Hannover zog. Ihr Hochzeitsbild im Album schaut sie intensiv an. Dabei formen sich ihre Lippen zu einem Lächeln.

Der Zweite Weltkrieg war schwer für die Familie, ihre Wohnung wurde zweimal ausgebombt. 1961 kehrte Elisabeth Schneider ins geliebte Oeynhausen zurück. Gerne würde sie den Kurort heute noch einmal besuchen, meint sie. Bis zu ihrem 97. Lebensjahr lebte sie dort noch alleine in ihrer Wohnung. Dann holten sie ihre einzige Tochter Edith Sündermann und Enkelin Ute Yalcin zunächst nach Rastede und anschließend nach Varel.

Seit 14 Jahren wohnt Elisabeth Schneider inzwischen im Büppeler Seniorenheim und fühlt sich dort wohl.

Lustige Sendungen im Fernsehen bringen Abwechslung in ihren Tag. Bei diesem Wetter lässt sie sich morgens gerne auf die Terrasse schieben. „Dann beobachte ich die Welt um mich herum.“ Dabei ist sie auch immer für ein Gedicht zu haben und gibt eine Kostprobe. „Das ist der Zauber von Blume und Kind, dass beide nicht wissen wie reizend sie sind.“ Ute Yalcin beneidet ihre Großmutter. „Oma ist ein in sich ruhender Mensch mit großer Zufriedenheit.“ Es müsse schon viel passieren, bis ihr die Hutschnur hochgeht.

Dass sie der älteste Mensch Deutschlands ist, mag sie nicht so recht glauben und macht gleich einen Witz darüber: „Dann haben die anderen wohl aufgehört nach Luft zu schnappen.“

Für ihren Geburtstag hat sie sich wieder ihr Lieblingsgericht gewünscht: „Himmel und Erde“ oder wie der Rheinländer und damit ihr Vater sagte: „Himmel un Ääd“. Das Menü aus Kartoffeln, Äpfeln und Blutwust hat Tradition im Rheinland, in Westfalen, Niedersachsen und Schlesien.

Zu ihrem Geburtstag am Sonntag freut sie sich nicht nur über den Besuch ihrer Familie. Elisabeth Schneider hat eine Tochter, zwei Enkel und vier Urenkel. Selbstverständlich gratulieren auch der Bürgermeister sowie die Bewohner und Mitarbeiter des Seniorenheims „To Huus“, die es sich bestimmt nicht nehmen lassen, der 111-Jährigen ein Ständchen zu bringen.

Christoph Koopmeiners Redaktion Cloppenburg