Brake - Einen Moment blickt Dirk Bunje unschlüssig zwischen den beiden Gebäuden in der Rönnelstraße hin und her. Dann aber geht er zielstrebig auf das links vor ihm stehende Haus mit der Nummer 8 zu und sagt: „Hier wurde ich geboren.“ Gemeinsam mit seiner Frau Marianne (78) ist der 85-Jährige für ein paar Tage nach Brake gekommen, um auf den Spuren seiner Kindheit zu wandeln.

„Damals“, erzählt Bunje weiter, „sah das natürlich noch völlig anders aus. Hinter unserem Haus waren nur Felder und Wiesen.“ Hier habe er mit seinem Zwillingsbruder Gerd, den anderen Geschwistern und natürlich Nachbarskindern viel gespielt.

Dirk Bunje, der als Bauingenieuer vor 55 Jahren nach Wesel gezogen ist, erinnert sich aber auch noch an grüne Bananen, die er einst aus der Weser gefischt hat oder an die Fahrten nach Harriersand. Und natürlich an die Niederdeutsche Bühne. Denn die hat sein Vater Karl Bunje 1932 gegründet – und nicht nur das. „Karl Bunje“, erklärt sein Sohn, „ ist mit 16 Bühnenstücken einer der großen Autoren des norddeutschen Volkstheaters.“ Sein bekanntestes Stück „De Etappenhas“ wird noch heute auf zahlreichen Bühnen gespielt. Darauf sei er als Sohn bis heute stolz – und bekennt dann zugleich, dass er ein wenig in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist.

Zwar schreibt Dirk Bunje keine Theaterstücke, dafür aber Gedichte und Bücher. Nach seinen Kindheitserinnerungen „Herzschläge“ hat sich Dirk Bunje gemeinsam mit seiner Frau erneut der Familiengeschichte verschrieben. Diesmal geht es allerdings weniger um seine Erinnerungen, sondern vor allem um die weit verzweigten Schiffsbauer- und Kapitänsfamilien Bunje und Christoffers. „Auf allen Meeren zu Hause“ hat das Ehepaar diese Familiensaga überschrieben, an der Dirk und Marianne Bunje rund drei Jahre gearbeitet haben. „Wir haben alte Logbücher, Dokumente und Journale ausgewertet“, erzählt Dirk Bunje. „Teilweise waren diese noch in Sütterlin geschrieben“, beschreibt er die aufwendige Arbeit.

„Wir haben Wert darauf gelegt, dass es keine chronologische Abhandlung wird“, ergänzt Marianne Bunje. Vielmehr seien es Momentaufnahmen geworden aus unterschiedlichen Jahrhunderten: die ersten Aufzeichnungen stammen aus dem Jahr 1634, sie reichen bis in die Gegenwart. So ist zugleich eine informative Abhandlung über die Entwicklungen und Veränderungen in der Schifffahrt entstanden.

Unter anderem wird an Al-fred Bunje erinnert, der als Erfinder der Schnellboote gilt, und an dessen Sohn Helmut, der als Architekt den Wiederaufbau Helgolands maßgeblich mitgestaltet hat.

Viel Platz in dem über 300 Seiten starken Buch, das im Selbstverlag erschienen ist, nehmen jedoch die Erinnerungen an Vater Karl und Mutter Klara Bunje ein. Und dabei spielt die Rönnelstraße keine unbedeutende Rolle.

Torsten Wewer
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