Cloppenburg/Utrecht - Dass die Niederlande mehr zu bieten haben als Tulpen, Fahrräder und Käse, davon konnten sich die 95 Mitreisenden der Studienfahrt des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland überzeugen, die in diesem Jahr in die niederländische Provinz Utrecht führte. Gleich am ersten Tag genossen die Südoldenburger bei schönstem Wetter den Besuch im weltberühmten Kröller-Müller-Museum im Nationalpark Hoge Veluwe in der niederländischen Provinz Gelderland.
In dem Museum beeindruckte die Sammlung moderner Kunst mit Gemälden von Pablo Picasso, Piet Mondriaan und vor allem Vincent van Gogh. Aber auch der Skulpturengarten mit Werken von Jean Dubuffet und Claes Oldenburg begeisterte durch die besondere Kombination von Kunst und Natur.
Utrecht als Hauptstadt der gleichnamigen Provinz stand am zweiten Tage der Exkursion auf dem Programm. Während einer Stadtführung wurden alte Wurzeln einer sehr jungen Metropole deutlich. Gegründet im Jahre 69 als römisches Kastell, war Utrecht Stützpunkt für die Friesenmission des Hl. Willibrord seit 690, und blieb seitdem, mit Unterbrechung durch die Reformation, als Bischofssitz Zentrum der katholischen Kirche in den Niederlanden. Ein Bischof in der langen Reihe der Oberhirten Utrechts war sogar ein Oldenburger: Wilbrand von Oldenburg war von 1227 bis 1233 Bischof von Utrecht und stiftete unter anderem das Zisterzienserinnenkloster St. Servatius.
Jung ist die viertgrößte Stadt der Niederlande durch die mehr als 30 000 Studenten der 1636 gegründeten Universität, deren Ursprung, das historische Akademiegebäude, die Fahrtteilnehmer besichtigten. In direkter Nachbarschaft steht der Utrechter Dom, dessen Turm seit 1674 durch den Einsturz des Mittelschiffs nach einem Sturm vom Chor getrennt ist. Er misst stolze 115 Meter und ist damit der höchste Kirchturm der Niederlande. Unter anderem schaute sich die Gruppe auch die malerische Oude Gracht an. An dieser liegt das Kulturkaufhaus „Winkel von Sinkel“, das der Kaufmann Anton Sinkel aus der Stadt Cloppenburg 1837 bis 1839 bauen ließ.
Nach der Besichtigung der Provinzhauptstadt ging es ins Umland: Nichts weniger als die größte und luxuriöseste Burganlage der Niederlande fesselte dort die Aufmerksamkeit. Erbaut Ende des 19. Jahrhunderts auf den Ruinen eines mittelalterlichen Vorläufers, bestach das märchenhaft gelegene, neogotische Kasteel de Haar bei Haarzuilens südwestlich von Utrecht als eindrucksvolles Gesamtkunstwerk. Baron Etienne von Zuylen und seine Frau Helene de Rothschild, die aus der Dynastie der Rothschilds stammte und insofern das nötige „Kleingeld“ mitbrachte, engagierten den Architekten Pierre Cuypers, um das Schloss samt Einrichtung sowie der um 1900 neuesten Technik zu errichten.
Auch der sonntägliche Kirchgang war etwas Besonderes: In der Kirche des Erzbischofs von Utrecht konnten die Südoldenburger einem internationalen Gottesdienst zur Ehre des Heiligen Eligius beiwohnen. Letzter Programmpunkt der von Engelbert Beckermann, Berna Sassen und Gabriele Henneberg organisierten und begleiteten Fahrt war Haus Doorn, der Exilwohnsitz des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II.
