• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Filmkritik „kings Of Kallstadt“: Auf den Spuren von Donald Trumps deutschem Erbgut

19.09.2014

Kallstadt Was hat der US-Immobilienmagnat Donald Trump mit den Einwohnern des Pfälzer Weinörtchens Kallstadt gemeinsam? Beide sind stark und zuverlässig - sagt Trump. Er könnte es wissen, denn seine Großeltern kamen aus Kallstadt. Ebenso wie der Vater des Ketchup-Erfinders Heinz. So viel geballter Unternehmergeist aus einem kleinen Ort - das hat die aus Kallstadt stammende Filmemacherin Simone Wendel zu einem Dokumentarfilm inspiriert. In „Kings of Kallstadt“ spürt sie den berühmten Söhnen und Enkeln des Ortes nach - bis nach New York, wo sie Trump trifft. Der Film handelt aber nicht nur von berühmten Auswanderersprösslingen, er ist vor allem ein Porträt der Menschen in Kallstadt, ihres Gemeinsinns und ihrer Gewohnheiten. „Er ist eine Hommage an das Dorfleben“, sagt Wendel.

Der Humor kommt darin nicht zu kurz. Denn ihr Gespräch mit dem nicht unumstrittenen „König von New York“ hat Wendel in lustige Szenen des Dorflebens eingebettet. Sie kann aus dem Vollen schöpfen, denn: „Die Kallstadter feiern immer viel - und gern“, sagt ein Bürger im Film.

Die Zahlen sprechen für sich: 27 Vereine gibt es in dem 1200-Seelen-Ort an der Deutschen Weinstraße, aber 1600 Vereinsmitglieder. Und die haben ihren Spaß - etwa beim Frauenturnen, wenn die Damen mal wieder hintereinander durch die Sporthalle laufen, getrennt jeweils nur durch einen großen Gummiball, der zwischen dem eigenen Bauch und dem Rücken der Vorderfrau gehalten werden muss. Klar, dass die Kette immer schneller wird. Oder wenn ein Traktor einsam durch die in der Sonne liegenden Weinberge kurvt und der Fahrer per Megafon eifrig für die Saumagen-Kerwe am Wochenende wirbt.

Die mitunter skurril anmutenden Szenen fängt Wendel mit viel Sympathie und ohne Häme ein. „Das Ziel ist es, dieses Lebensgefühl rüberzubringen“, sagt die 39-Jährige, die nach eigenen Angaben über vier Jahre an dem Film gearbeitet hat. Dass sie seit fast 20 Jahren nicht mehr dort wohnt, tut ihrer Zuneigung keinen Abbruch. „Durch diese Distanz konnte ich mich dafür noch mehr begeistern.“ Das rheinland-pfälzische Kallstadt sei für sie eine Konstante, die einem fehle, wenn man sie nicht mehr habe.

Zum Großwerden in Kallstadt gehört das Wissen, dass es Nachfahren von Ex-Bürgern gibt, die es in den USA zu etwas gebracht haben - wie Trump. Dessen Großvater hatte Kallstadt 1885 verlassen und in den USA zunächst ein Restaurant für Goldgräber gegründet. Grundstein des Immobilienkonzerns waren erste Grundstückskäufe in New York. Trumps Großmutter, ebenfalls aus Kallstadt, gründete nach dem Tod des Mannes die Firma. Schon 1840 war Johann Heinrich Heinz ausgewandert, dessen Sohn mit eingemachten Meerrettich und Essiggurken den Grundstein für das Ketchup-Imperium legte. Einer seiner Nachfahren spendete bei einem Kallstadt-Besuch üppig für die Renovierung der Kirchenorgel, wird im Film berichtet, in dem auch Kallstadter Vertreter der Familien zu Wort kommen.

Wendels Treffen mit Trump bringt diesem eine Überraschung. Er erfährt dabei von seinem familieninteressierten Cousin, dass der Großvater eigentlich nach Deutschland zurückwollte - aber nicht durfte. Der bayerische Staat, zu dem die Pfalz damals gehörte, habe ihn nicht aufgenommen, weil er einst ohne Genehmigung abgehauen sei, erklärt der Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Roland Paul. „Der hat nicht nur die Staatsbürgerschaft aufgegeben, er hat sich weggeschlichen.“ Donald Trump, der infrage gestellt hatte, dass Präsident Barack Obama ein echter US-Amerikaner sei, sei damit der Enkel eines „illegalen Auswanderers“, sagt Paul. Er warnt davor, die Auswanderer zu überhöhen und nur als Helden darzustellen.

Trump (68) selbst würdigt bei dem Treffen die Großmutter und betrachtet versonnen Fotos des Trump-Hauses in Kallstadt. Wenn er dort leben würde, wäre er vielleicht im Wein-Business, aber auf jeden Fall wäre er erfolgreich, sagt der Multimillionär, der nicht unbedingt für Bescheidenheit bekannt ist. Wendel entdeckt dennoch eine mögliche Gemeinsamkeit. „Er hat Humor“, sagt sie. Und er sei „viel netter als sein Ruf ihm vorauseilt“.

In der Heimat genießen die Ausgewanderten noch großes Ansehen. „Die mit Mumm sind gegangen“, sagt einer. Aber Wendels Blick zeigt, dass noch genug Kallstadter mit Mumm da sind. Sie stellt Originale vor wie die Landfrauenvorsitzende Veronika, die beim Turnen ihre Frau steht, selber Ketchup macht und beim Laientheater ohne Murren die Rolle des Dummerles übernimmt. Die „Kings of Kallstadt“ haben viele Gesichter.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.