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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Auf der Achterbahn der Gefühle

31.05.2016

Oldenburg Wenn Trampoline die Achterbahn ersetzen, wenn es auf der Bühne schrill und grotesk überspitzt zugeht, dann hat Ekat Cordes seine Hand im Spiel. Seine Inszenierung des Volksstücks „Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horváth (1901– 1938) für das niederdeutsche Schauspiel am Oldenburgischen Staatstheater verläuft hart an der Grenze der Reizüberflutung.

Publikum in Feierlaune

Dem Premierenpublikum am Sonntagabend im nicht ausverkauften Kleinen Haus hat es aber gefallen. Die knapp zweistündige Vorstellung verging wie im Flug. Das großartige Ensemble der August-Hinrichs-Bühne erntete minutenlangen, begeisterten Applaus.

Cordes verlegt Annegret Peters’ niederdeutsche Fassung „Kasimir un Karoline“ auf den Oldenburger Kramermarkt. Karoline (Kristina Trey) freut sich auf den Rummel, ihrem Freund Kasimir (Sven Gerstmann) steht dagegen der Sinn überhaupt nicht nach fröhlichem Trubel, er hat gerade seinen Job als Pilot bei der Millionärsfamilie Geissen verloren. Es kommt zum Streit, Karoline gibt Kasimir, dieser Spaßbremse, den Laufpass und stürzt sich mit dem Matratzenverkäufer Eugen Schürzinger (Markus Weise) ins Getümmel.

Mit von der Partie sind Schürzingers Chef, Generaldirektor Rauch (Helge Ihnen), und dessen Freund Speer (Benno von Minden). Das Quartett macht mächtig Party. Mit steigendem Alkoholpegel spielt die aus Oldenburg stammende Band Testsieger (Jan-S. Beyer, Jörg Wockenfuß) die gängigsten Trinklieder. Vom griechischen Wein bis zum Pferd auf dem Flur ist alles dabei, das Publikum gerät in Feierlaune.

Kasimir lädt seinen Frust währenddessen beim Kleinkriminellen und Großmaul Merkl Franz (Pascal Oetjegerdes) und dessen Freundin Erna (Melanie Lampe) ab. Sie verbindet das Gefühl, in dieser Welt immer zu kurz zu kommen.

Karoline und Kasimir begegnen sich noch einige Male auf dem Volksfest. Immer wieder geraten sie, die doch eigentlich zueinander wollen, in Streit und entfernen sich jedes Mal mehr voneinander. Sie träumt vom gesellschaftlichen Aufstieg, sein Traum vom angesehenen Pilotenleben ist gerade geplatzt.

Herzinfarkt im Cabrio

Karoline glaubt, ihrem Ziel schon nah zu sein, schließlich macht Generaldirektor Rauch ihr nicht nur schöne Augen, sondern auch Hoffnungen. Aber auf dem Höhepunkt des Liebesakts im Cabrio erleidet der feine Herr einen Herzinfarkt und stirbt. Als sie Trost bei Schürzinger sucht, schiebt der sie beiseite, er hat mittlerweile Karriere gemacht und kein Interesse mehr an der kleinen Angestellten.

Die Darsteller laufen in dieser an Personen- und Szenenwechseln reichen Inszenierung zu großer Form auf. Jeder für sich füllt seine Rolle perfekt aus, das Ergebnis ist eine überragende Ensembleleistung, die in der Schlussszene zur Musik der Neue-Deutsche-Welle-Band Münchener Freiheit ihren Höhepunkt erreicht. Das Lied „Solange man Träume noch leben kann“ bleibt noch lange im Ohr.


Alle NWZ -Kritiken unter:   www.nwzonline.de/premieren 
Lore Timme-Hänsel
Redakteurin
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2065

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