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Junge Oper In Oldenburg Auf der Jagd nach Rutters Ratten

Horst Hollmann

Oldenburg - Historisch gesehen war der Rattenfänger von Hameln, der erst die Ratten in die Weser lockte und dann die Kinder aus der Stadt entführte, ein Einzeltäter. Das ist nach modernen Erzählungs-Maßstäben viel zu einfach gedacht. Also prägen in Jens Kerbels Inszenierung der Kinderoper „The Piper of Hamelin“ von John Rutter in der Exerzierhalle gleich vier Rattenfänger das Geschehen.

In der vor gut 30 Jahren für ein College-Jubiläum in Cambridge maßgeschneiderten Klein-Oper räumt der englische Komponist, klarer Fall, der geschichtlichen Figur die hintergründige Rolle ein. Doch ein Rattenfänger ist auch der Bürgermeister. Selbst einem Mann mit dem größten versiegelten Hohlraum im Kopf läuft das Volk nach. Er muss sich selbst eben geschickt und aufdringlich inszenieren und seine Claqueure dicht um sich scharen.

Englisch gesungen

Der dritte Rattenfänger ist der Komponist. Rutter (70) verdankt seinen Zulauf gerade von Chören seiner Genialität, praktisches Handwerk mit bezwingender Musikalität zu verbinden. Seine rhythmisch griffigen und melodisch eingängigen postmodernen Musikkonstruktionen fordern gerade geübte Laien heraus, ohne sie zu überfordern.

Auch im englisch gesungenen und mit deutschen Dialogen verbundenen „Piper“ nimmt der Brite geschickt Rücksicht auf die Grenzen und Wandlungen jugendlicher Stimmlagen. Das bringt gesanglich eine gewisse Glätte und Neutralität in die Charaktere. Aber in der zweimal ausverkauften Exerzierhalle nehmen die Sängerinnen und Sänger in den beiden Premieren faszinierend mit persönlich geprägten Ausformungen ihrer Rollen für sich ein: Vorweg das Trio Rattenfänger (A-Premiere Kaja Bultmann/B-Premiere Florentine Isensee/Flöten-Double Stephania Lixfeld), Lameboy (Michal Hoffmeyer/Piotr Knichalla) und Bürgermeister (Leonard von Steuber). Dazu Shopkeeper (Theodor Fank/Julian Mönnich). Secretary (Stine Langanke), Schreiber (Lena Havekost) und Gehilfe (Wieke Langanke).

Wuselig geht es eine Stunde lang in der stilisierten Stadt zwischen huschenden Ratten, nickenden Ratsherren und spielenden Kindern zu (Bühne: Anna Kurz). In Handlungen und Dialogen sind geschickt Lebensweisheiten und Anregungen versteckt. Der Zeigefinger bleibt in mittlerer Höhe.

Voller Leben

Und der vierte Rattenfänger? Das ist Thomas Honickel, der Dirigent der 16 Musiker vom Staatsorchester und engagierte Beweger der „Klanghelden“, wie die 60 jungen Sängerinnen und Sänger von Kinder- und Jugendchor zeitgemäß heißen. Ein Jahr lang hat er mit ihnen die Partitur erarbeitet und voller Leben erfüllt. Es war einmal, dass Kinder zu „Hänsel und Gretel“ in den Wald entführt wurden. Längst gibt es stärkere Stoffe.

Festgelegt sind derzeit keine weiteren Aufführungen. Zumindest sind sie für den Winter geplant. Einer wie Honickel wird da nicht locker lassen.

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