Wildeshausen - „Halu“ nennen Kinder einen „Ausruhepunkt“, der beim Fangen spielen dem Fliehenden eine Verschnaufpause gewährt. Als „Halu“ für die Heimbewohner habe sie immer das Gelände der Diakonie Himmelsthür empfunden, erzählt eine Anwohnerin beim Gang durch die Abschiedsausstellung „Das Haus Butjadingen. Menschen und Geschichten. Eine Spurensuche“.
Die Wehmut angesichts des bevorstehenden Abrisses der geschichtsträchtigen Gebäude ist auch bei den Rednern der Ausstellungseröffnung spürbar. Von einem „sehr berührenden Moment“ spricht Geschäftsführer Jörg Arendt-Uhde. Ulrich Stoebe vom Hildesheimer Vorstand der Diakonie kann es sich gar nicht vorstellen, dass „hier bald alles platt ist“ und mag sich kaum entscheiden, ob der baldige Abriss jetzt ein Trauerfall oder ein Jubelfest ist.
Letztlich überwiege für ihn jedoch die Freude, denn die nicht länger zeitgemäße Großunterbringung werde nun nach und nach durch kleine Wohneinheiten in der Region ersetzt. Ein neues Zuhause haben viele der Bewohner schon an der Kleinen Straße, an der Harpstedter Straße und am Markt in Wildeshausen sowie in Sandkrug gefunden. Dort sowie in Delmenhorst sind nach Angaben Arendt-Uhdes noch weitere Wohngruppen geplant, so dass man insgesamt auf 94 Wohnungen komme.
Um zuvor jedoch noch in aller Ruhe Abschied vom bisherigen Wohnen nehmen zu können, hat das zuständige Projektteam mit viel Liebe zum Detail eine interessante Mischung aus Fotos, Interviews, einem Film und Dokumenten zusammengestellt.
„Man könnte denken, dass entweder Maler hier arbeiten oder der Künstler Christo am Werke war“, meinte Anke Strömer vom Projektteam angesichts der Bauplane, die die Wände bedeckt. Dieses Mittel der halbtransparenten Verhüllung habe der Künstler Elbruz Fidan bewusst gewählt, um zu symbolisieren, dass die Spuren der Bewohner und Mitarbeiter immer noch durchschimmern.
Die Wände im Flur zieren die Namen all jener, die hier gewohnt haben. Für Ergänzungen liegen Stifte bereit. Es gibt einen Vergangenheitsraum, der nicht nur die Geschichte des Hauses, sondern auch den früheren gesellschaftlichen Umgang mit Behinderten thematisiert, einen Stöberraum mit alten Fotos, einen Mitmachraum, in dem die Besucher selbst zu Pinsel und Farbe greifen können, und vieles mehr.
Geöffnet ist die Ausstellung vom 11. bis 15. März täglich von 13 bis 17 Uhr. Interessierte sollten die Gelegenheit zum Abschiednehmen nutzen, denn der Container des zuständigen Abrissunternehmens steht schon vor der Tür.
