• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Auf Tuchfühlung mit feurigem Kritiker

14.11.2009

FRANKFURT /OLDENBURG Zwei große Geister – eine Tat: Jürgen Habermas und Karl Jaspers haben mit dem Abstand von fast 50 Jahren einen Band zur geistigen Situation der Zeit herausgegeben.

Während der in Oldenburg geborene ältere Philosoph sich 1931 noch aus eigener Kraft eine Zeitdiagnose zutraute, hat der vom Gestus her bescheidenere Habermas eine Reihe kritischer Intellektueller unterschiedlicher Berufe wie den Soziologen Ralf Dahrendorf, den Historiker Hans-Ulrich Wehler, die Schriftsteller Martin Walser, Uwe Johnson und Alexander Kluge und viele andere 1979 eingeladen, sich am Diskurs einer kritischen Gegenwartsdiagnose zu beteiligen.

Im Handgemenge

Die prägende Rolle, die Habermas als Intellektueller in der Bonner und Berliner Republik gespielt hat und spielt, veranschaulicht die von dem Frankfurter Literaturwissenschaftler Wolfgang Schopf kuratierte Ausstellung in der Oldenburger Landesbibliothek. Der Titel dieser Werkschau „. . . die Lava des Gedankens im Fluss“ spielt nicht nur auf den „Feuermelder“ Habermas an, der sich so ausdauernd wie kein anderer Philosoph unserer Tage durch Zeitungsartikel, Vorträge und Podiumsdiskussionen ins politische Handgemenge eingemischt hat.

Diese Aktivitäten präsentiert die Ausstellung. Darüber hinaus wird die Lebensleistung des Philosophen und Sozialtheoretikers dokumentiert. Als das Besondere dieser Veranschaulichung erfährt der Besucher, wie das Werk von Habermas sich von Gedanke zu Gedanke, von Buch zu Buch fortentwickelt hat.

Der Besucher kann Tuchfühlung mit etwa 250 Artikeln, Aufsätzen und Essays von Habermas aufnehmen und sich zugleich ein Bild machen von der Praxis des Gelehrten als Hochschullehrer, der durch seine Vorlesungen und Seminare ganze Generationen von Studierenden intellektuell beeinflusst hat. Die Werkschau zeigt: Ganz offensichtlich sind die zahlreichen Bücher von Habermas ein deutscher Exportschlager, der eindeutig unserer Handelsbilanz zugutekommt.

Dass er längst ein Weltautor ist, hat zuletzt die enorme Aufmerksamkeit vor Augen geführt, die im Juni dieses Jahres der 80. Geburtstag des heute im bayrischen Starnberg lebenden Habermas gefunden hat. Zurzeit gilt sein Hauptinteresse zum einen der Zukunft Europas. Zum anderen hat er sich in die Debatte über die moralischen Dimensionen von Gentechnik und Embryonenforschung eingeschaltet.

Sinn und Zweck des öffentlichen Streits, den Habermas vom Zaun bricht, besteht stets darin, ein Modell für den öffentlichen Gebrauch der Vernunft vorzuführen. Diese Grundhaltung, dass Philosophen nichts Besseres tun können, als wechselseitig voneinander zu lernen, stellt eine Publikation unter Beweis, die parallel zur Ausstellung erscheint. Sie enthält neben zahlreichen Fotos zwei unveröffentlichte Artikel mit Geburtstagsgrüßen von Oskar Negt und Alexander Kluge, eine Rede der Leiterin des Suhrkamp Verlages, Ulla Unseld-Berkewicz, und die Dankesworte des Geehrten.

Gegengewicht

Die Kritik, die Habermas an politischen Entwicklungen übt, versteht er selbst als kontroverse Stellungnahme, die andere Sichtweisen zu erschließen versucht. Habermas überzeugt durch seine Überzeugung, die er ein Wissenschaftlerleben lang begründet hat: Nur eine dauerhaft stabile Demokratie mit dem Kontrollorgan einer pluralistischen Öffentlichkeit garantiert die Gegengewichte zu einem globalen Kapitalismus, auf dessen Produktivität entwickelte Gesellschaften angewiesen sind.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.