Tettens - Ihre Mutter hat Theater gespielt, ihr Mann spielt Theater, ihre Schwiegermutter ist Souffleuse beim Theater – ach ja, und sie selbst steht natürlich auch gerne auf der Bühne. Vera Roschke ist 39 Jahre alt, lebt mit ihrer Familie in Tettens – und sie liebt das Theater. Das hat sie übrigens schon als kleines Kind gemerkt.
„Meine Mutter hat über 30 Jahre lang Theater gespielt“, sagt Vera Roschke. Die Texte wurden stets bei jemanden aus der Gruppe zu Hause geprobt. „Und wenn alle zu uns kamen, habe ich mich immer riesig gefreut“, erinnert sie sich mit einem Strahlen im Gesicht.
Sie selbst stand in der Grundschule das erste Mal auf der Bühne. „Dort haben wir dann kleine Sketche einstudiert, die wir zum Beispiel auch auf Seniorennachmittagen aufgeführt haben.“ Später hat sie regelmäßig Weihnachtsstücke im Bürgerverein vorgeführt. „Erst gab es das Weihnachtsstück, dann für alle Kaffee, Kuchen und Kakao – das war immer klasse.“
Etwa 1995 hat Vera Roschke dann ihr erstes Stück in der Theatergruppe Tettens gespielt – in der sie heute immer noch Mitglied ist. Damals trat sie aber nicht regelmäßig auf – und hat unter anderem pausiert, als ihre Söhne unterwegs waren: „Da wurde im Stück leider gerade keine Schwangere gebraucht“, meint sie augenzwinkernd.
Da ihr Mann auch gerne in der Theatergruppe spielt, hat sich das Paar meist abgewechselt. Schließlich muss einige Zeit in das Proben investiert werden – „das kann man nicht einfach so nebenbei“. So hat sich dann einer um die Kinder und um den Haushalt gekümmert und einer um das Theaterspielen.
Dreimal ist es aber sogar vorgekommen, dass das Paar gemeinsam auf der Bühne stand. „Das ist natürlich total schön. Mit meinem Mann gehe ich ja ganz anders um“, sagt Vera Roschke. „Wenn es die Rolle vorgibt, kann ich ihn zum Beispiel so richtig küssen“, fügt sie lächelnd hinzu.
Meist übernimmt die Hobby-Schauspielerin im Stück nämlich die Rolle der jungen Dame. Die gefällt ihr auch ganz gut. „Ich könnte mich zum Beispiel nicht so extrem verändern und eine Großmutter spielen.“ Trotzdem macht es ihr Spaß sich auf der Bühne zu verwandeln und in eine andere Rolle zu schlüpfen.
Publikum ist wichtig
Was ihr ebenfalls Freude bereitet: Die positiven Reaktionen im Publikum. „Es ist einfach klasse, wenn wir nach dem Stück nette Rückmeldungen bekommen.“ Aber auch während der Aufführung haben die Zuschauer so ihre Wirkung – und können auch mal über die Nervosität hinweg helfen. „Wenn das Publikum gut gelaunt ist und Spaß hat, dann trägt mich das irgendwie.“
Manchmal kommt es schon mal vor, dass der ein oder andere Satz auf der Bühne vergessen wird. Aber dafür steht dann Souffleuse Marianne Roschke bereit – die Schwiegermutter von Vera Roschke. „Sie führt uns immer wieder an die richtige Stelle – mit ihr im Hintergrund fühle ich mich immer sicherer.“
Und das ist manchmal an einer einzigen Stelle besonders wichtig. Denn lachend gibt sie zu: „In jedem Stück ist tatsächlich ein Satz dabei, den ich einfach nicht in meinen Kopf hineinbekomme. Das ist einfach immer so.“
Die Texte der Theatergruppe in Tettens sind hauptsächlich auf plattdeutsch. Doch dadurch, dass Vera Roschke schon als Kind in der Grundschule Plattdeutsch gelernt hat, fällt ihr das Lernen und Sprechen nicht sonderlich schwer. Im Gegenteil: „In unserem letzten Stück hat meine Rolle Hochdeutsch sprechen müssen. Das war so ungewohnt, dass ich aus Versehen mal den ein oder anderen Satz auf Platt gesagt habe.“
Die Texte lernt Vera Roschke in Ruhe zu Hause, manchmal fragt ihr Mann sie auch ab. An Mimik und Gestik geht es dann aber erst, wenn die Theatergruppe gemeinsam auf der Bühne probt. „Dann schauen wir uns genau an, wie die anderen so spielen und geben uns gegenseitig Tipps.“
Diese ersten gemeinsamen Proben mit den Anderen aus der Gruppe machen Vera Roschke viel Spaß. „Aber ich muss zugeben: Irgendwann geht die Lust am vielen Proben auch verloren – dann wird man nervös und möchte endlich auf der Bühne vor dem Publikum spielen.“
Wenn es dann so weit ist, hat die Gruppe auch ein Ritual, das sie jedes Mal vor der Aufführung durchführt. „Wir spucken uns drei Mal über die Schulter und wünschen uns ,Toi, Toi, Toi‘.“
Nicht nur bei den Proben sondern schließlich auch während der Aufführungen hat die Theatergruppe immer etwas zu lachen. „Dafür sorgt oft unser Axel – der macht bei den Aufführungen meist irgendwas anderes als zuvor.“ Das heißt: Er sagt einen Satz anders oder steckt sich etwas ans Kostüm, das eigentlich nicht dazu gehört. So auch im letzten Stück, mit dem die Theatergruppe Tettens vor wenigen Wochen auf der Bühne stand.
Spaß auf der Bühne
Dort musste Vera Roschke nämlich von ihrem Schauspielkollegen ein Aktbild zeichnen. „In den Proben hatte er sich dafür immer voll bekleidet hingesetzt“, sagt Roschke. „Und dann, ganz unerwartet, saß er auf einmal in einem Frauenmieder vor mir.“
Bei all dem Spaß kann das Theaterspielen manchmal auch etwas anstrengend werden – schließlich hat jeder der Hobby-Schauspieler noch einen Beruf. Vera Roschke ist gelernte Arzthelferin und hat Nachtdienst im Mutter-Kind-Kurheim. Dazu kommen Haushalt und ihre Familie. „Das kann dann schon mal etwas viel werden.“
Aber trotzdem: Es lohnt sich. Und auch in Zukunft möchte Vera Roschke weiterhin Theaterspielen – so gerne steht sie auf der Bühne. „Ganz besonders mit meiner Truppe in Tettens.“
Und wer weiß: Vielleicht entwickeln ihre Söhne ja eines Tages auch diese Leidenschaft für das Theater – es liegt schließlich in der Familie.
