Oldenburg - „Er ist wieder da“ flimmert derzeit über die Kino-Leinwände als Verfilmung eines satirischen Bestsellers über Adolf Hitler, der aus unerfindlichen Gründen in Berlin-Mitte im frühen 21. Jahrhundert plötzlich aufwacht. Dass Hitler „wieder da ist“ gilt aber erst recht ab Anfang Januar 2016, wenn die Urheberrechte zu seinem Pamphlet „Mein Kampf“ verfallen. Mit Neuauflagen ist zu rechnen. Höchste Zeit, das Machwerk zu entmythologisieren, findet Sven Felix Kellerhoff. „Jeder kennt den Titel, doch kaum einer weiß, was drinsteht“, sagt der Historiker und leitende Redakteur für Zeit- und Kulturgeschichte der „Welt“-Mediengruppe.
Der Journalist, Jahrgang 1971, hat dazu selber ein Buch geschrieben: „Mein Kampf – Die Karriere eines Buches“. „Aufklärung ist immer besser als Verschweigen“, meint Kellerhoff. Er war jetzt für die Konrad-Adenauer-Stiftung zu Gast an der Cäcilienschule. Vor rund 80 Schülern der Oberstufe erläuterte er Hintergründe zu Hitlers Hetzschrift.
Mit seinem Buch habe Hitler vor allem eines gewollt: Geld verdienen. Unterm Strich, so schätzt Kellerhoff, dürften es deutlich mehr als zwölf Millionen Reichsmark gewesen sein. Hitler beschreibe in dem Buch zwar den Wahnsinn seiner nazistischen Weltanschauung, aber keinen Masterplan für den Holocaust. Kellerhoff hob hervor, dass „Mein Kampf“ kein ungelesener Bestseller gewesen sei. Verkauft habe es sich ungefähr 12,4-millionenfach. Gelesen habe es jeder fünfte Deutsche, so Kellerhoff.
Bei den Schülern stoße das Thema auf großes Interesse, sagt Schulleiter Franz Held. „Das merkt man an den selbst gewählten Referatsthemen und der Beteiligung im Geschichtsunterricht.“ Dass Ende des Jahres die Rechte an „Mein Kampf“ freiwerden, hätten auch die Schüler mitbekommen. „Deshalb sollen sie aufgeklärt werden, was es wirklich mit dem Inhalt auf sich hat“, erläutert Held.
Auch die aktuellen Geschehnisse spielten beim Besuch von Sven Felix Kellerhoff eine Rolle. Er wolle „die Schüler sensibilisieren. Sie müssen verstehen, was hinter den Parolen der Pegida steht, um damit umgehen zu können. Das ist heutzutage von hoher Wichtigkeit.“
