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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Amerikanischer Schriftsteller kommt auf den Hund

17.10.2017

Augsburg Man kann es nicht oft genug verkünden: John Fante ist neben Jerome D. Salinger einer der bekanntesten unbekannten Autoren der USA. Charles Bukowski liebte Fante, besuchte ihn am Totenbett, hielt ihn sogar für einen Gott. Das ist etwas übertrieben und führt vielleicht auf eine völlig falsche Spur: Fante ist in seinen Formulierungen längst nicht so abfällig, nicht so hart, nicht so böse, nicht so sexorientiert wie Bukowski.

Fante (1909–1983) ist heiterer und weniger zynisch. Aber eines verbindet Fante gewiss mit Bukowski: Beide können große, wichtige, tolle Geschichten in einfachen, klaren, schönen Worten und Sätzen erzählen, die dann einen Sog entwickeln. Ein weiteres Beispiel für diese Prosa – Anfang 2017 erschien bereits das Buch „1933 war ein schlimmes Jahr“ – ist nun der kleine Roman „Westlich von Rom“.

Er erzählt wirbelig die Geschichte des Drehbuchschreibers Henry M. Molise in Hollywood. Der hat vier verwöhnte, erwachsene Kinder (zumindest von den Jahren her), eine zickige Frau, ein großes Haus und dauernd Geldprobleme. Als wäre das noch nicht genug, kommt noch ein zotteliger, riesiger Hund hinzu, der plötzlich im Garten rumliegt und die Familie spaltet: die einen wollen die Töle loswerden, ein Sohn liebt den Köter, der den treffenden Namen Stupid bekommt.

Der Ich-Erzähler selbst schwankt in der Stimmung, je nachdem, was der Hund gerade anstellt in Nachbarschaft, Wohnung und Familie.

Mit immer mehr Problemen wächst bei Molise, der eigentlich nicht mehr miserable Drehbücher, sondern endlich Romane schreiben will, die Lust, abzuhauen, der verrückten Familie zu entfliehen und in Rom einen Cappuccino zu schlürfen . . .

„Westlich von Rom“ ist ein wunderbar zu lesendes Buch mit knackigen Dialogen, witzigen Szenen, feiner Selbstironie und einfachen Sätzen wohltuend jenseits von teutonischer Lebensgrübelei. Wie in „Arturo Bandini“, einem der berühmtesten Romane von Fante, ist der Held dauernd pleite.

Es geht bei dem italienischstämmigen Fante generell um Einwanderer, die sich in einer angelsächsisch dominierten Welt Ruhm und Reichtum erkämpfen wollen – ein Kosmos, der sich in allen Büchern Fantes findet, eine Feier des glänzenden Elends und peinlichster Szenen.

Leider gibt es von Fante jetzt fast nichts mehr zu entdecken: Er gab sich nach Rückschlägen der Verlockung Hollywoods hin und schrieb nur Drehbücher. „1933 war ein schlimmes Jahr“, erst kürzlich erschienen, entstand zum Beispiel 1963 und keiner wollte das Buch damals drucken. Es landete in der Schublade und wurde nach dem Tod des Autors wiederentdeckt.

Fante starb, verbittert und erblindet, am 8. Mai 1983. Sein Ruhm setzte später ein. „Westlich von Rom“ erschien erst 1986, also nach dem Tod des Autors. Eine erste deutsche Auflage gab es 1987. Die ist längst vergriffen. Nun darf man sich 30 Jahre später über die Neuauflage freuen.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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