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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Muntere Blicke in eine Gefühlswaschmaschine

31.07.2019

Augsburg /Oldenburg Ein großer Autor wird in einem kleinen Verlag wiederentdeckt: Die Romane und Erzählungen des Italo-Amerikaners John Fante (1909–1983) erscheinen seit geraumer Zeit und nach und nach im Augsburger Maro-Verlag. Dort passt der Kumpel von Charles Bukowski (1920 - 1994) gut hin.

Mit dem Satz „Lieber ein Buch in einem kleinen Verlag als gar kein Buch“ hatte angeblich Carl Weissner (1940 - 2012), der Übersetzer und Freund von Bukowski, seine Suche nach einem größeren Verlag einst in Deutschland abgebrochen und rannte bei Maro damals offene Türen ein. „Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang“ von Bukowski erschien zur Frankfurter Buchmesse 1974. Das Buch sorgte für gehöriges Aufsehen. Seitdem ist der kleine Verlag ein Hort amerikanischer Literatur. Und man schätzt Ausgrabungen.

John Fante ist so eine Ausgrabung. Zu Lebzeiten wurde der Amerikaner in seiner Heimat kaum beachtet, in Deutschland schon gar nicht. Vielleicht kennt mancher den Film „Warte bis zum Frühling, Bandini“, für den er die Vorlage lieferte. Fante war neben Jerome D. Salinger lange einer der bekanntesten unbekannten Autoren der USA. Bukowski liebte Fante, hielt ihn gar für einen Gott. Das ist etwas übertrieben und führt vielleicht auf eine falsche Spur: Fante ist in seinen Formulierungen längst nicht so abfällig, nicht so hart, nicht so böse, nicht so sexorientiert wie Bukowski. Natürlich, die jetzt erschienene Neuausgabe des Romans „Unter Brüdern“ zeigt es, kann auch Fante mit knackigen Dialogen, feiner Selbstironie, kurzen Sätzen und auch mal deftigen Sexszenen aufwarten.

In „Unter Brüdern“ geht es um den jungen Schriftsteller Henry Molise, ein Alter Ego des Buchautors. Molise reist in ein Nest in Colorado, um die Scheidung seiner betagten Eltern zu verhindern. In der Familie geht es nicht gerade harmonisch zu. Der Vater Nick wuchs in Armut in den Abruzzen auf und kam als Einwanderer nach Amerika.

Nick ist ein Macho, mittelmäßiger Maurer, ein schlimmer Tyrann und veritabler Säufer. Und schließlich sorgt er auch noch für ein Rätsel: Wie kam der Lippenstift einer fremden Frau auf Nicks Unterhose?

„Unter Brüdern“ liest sich so weg, wie man eine leichten Sommerwein schlürft. Die Figur des Ich-Erzählers erinnert an Woody Allen. Der tiefintellektuelle Sohn hasst den groben Vater und liebt ihn doch innig, und so landen wir in einer munteren melodramatischen Gefühlswaschmaschine.

Der Maro-Verlag hat sich nicht gescheut, parallel zur Neuausgabe von „Unter Brüdern“ eine gültige, voluminöse, erste Biografie zu John Fante vorzulegen. „Full Of Life“ von Stephen Cooper ist erzählerisch so mitreißend und kenntnisreich geschrieben, dass es schon selbst wieder als gute Literatur durchgeht. Detailreich schildert Cooper Fantes Leben als Italo-Amerikaner, als Drehbuchautor in Hollywood und nicht zuletzt als kranker, unbeachteter Schriftsteller.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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