Augustfehn - „Wir wollen Menschen auf dem Dorf Kunst näher bringen, mit ihnen über Kunst diskutieren, die ja auch Sichtweisen auf das Leben und das Miteinander beinhaltet, und uns beim Arbeiten zudem über die Schulter schauen lassen“, sagt Gert Sudbrack. „Was bei unserem Projekt herauskommt, wissen wir noch nicht. Vielleicht wird es eine einmalige Sache bleiben, vielleicht ist es auch der Auftakt zu mehr.“
Gert Sudbrack, sein Freund Reinhard Penning, Heidi Frerichs, die Witwe des ehemaligen Kunstlehrers Folkert Frerichs und die Oldenburgerin Vanessa Reis wollen ein Gebäude im Ortszentrum von Augustfehn in ein „Haus der Kunst“ verwandeln. Für vier Wochen – vom 27. Januar bis zum 24. Februar 2019 – soll die ehemalige Videothek gleichzeitig zu einem Atelier, einer Galerie und einer Kunstwerkstatt werden. Jeweils donnerstags, freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr sei das „Haus der Kunst“ dann geöffnet und mindestens einer der Organisatoren sei auch da.
De Ploeg als Vorbild
Entstanden ist die Idee, als sich Gert Sudbrack und Reinhard Penning in Groningen gemeinsam eine Ausstellung der Groninger Künstlervereinigung De Ploeg (deutsch: der Pflug) ansahen. Diese Gruppe setzt sich dafür ein, dass Künstler in Groningen mehr Möglichkeiten für Ausstellungen bekommen und dass sie künstlerisch enger zusammenarbeiten.
So etwas wollen wir auch, dachten sich die beiden Augustfehner. „Wir haben das Glück, dass wir für unser Projekt einen Leerstand mitten in Augustfehn nutzen können“, sagt Reinhard Penning, der den örtlichen Verein Eisenhütte Kultur leitet und schon viele Kulturveranstaltungen in Augustfehn organisiert hat. „Ich allein hätte meine Arbeiten nicht ausstellen wollen“, berichtet Gert Sudbrack, ein ehemaliger Lehrer, der seit einigen Jahren Papier-Skulpturen fertigt. Sofort habe er an die Arbeiten des 2007 verstorbenen Augustfehner Kunstlehrers Folkert Frerichs gedacht, zu dessen Witwe Heidi Sudbrack nach wie vor Kontakt habe. „Ich finde das einfach toll, dass ich Arbeiten von meinem Mann, der seit den 1970er bis in die 2000er Jahre hinein viele Ausstellungen bestückte, in Augustfehn zeigen kann“, so Heidi Frerichs. Collagen, Montagen und Aquarelle würden dann von ihm in der ehemaligen Videothek zu sehen sein.
Kontakt über Ausstellung in der Eisenhütte
Experimentelle Fotografien, Zeichnungen und Fotos will Vanessa Reis, die Vierte im Bunde, bei der Ausstellung präsentieren. Die Oldenburgerin hat in diesem Jahr einige ihrer Arbeiten in der Augustfehner Eisenhütte gezeigt. So kam auch der Kontakt zwischen ihr und Reinhard Penning zustande. Sofort sagte sie zu, als sie gefragt wurde, ob sie sich an dem Projekt beteiligen wolle.
Dass in Augustfehn und umzu grundsätzliches Interesse an Kunstangeboten besteht und Ammerländer offen für Kulturangebote auf dem Dorf sind, davon ist Gert Sudbrack überzeugt. Als seine Frau, die Puppenspielerin Anne Sudbrack, 1993 ihr erstes festes Haus damals noch in der „Alten Tischlerei“ in Augustfehn eröffnete, ahnte keiner, was für eine Erfolgsgeschichte das Augustfehner Puppentheater, das heutige Männeken-Theater in Hengstforde, werden würde. Rund 7000 Gäste sehen alljährlich in rund 100 Aufführungen Figuren und Puppen als Stars in Märchen, Kindergeschichten, Krimis, Klassikern, Balladen, in kuriosen, musikalischen oder experimentellen Geschichten, inszeniert von Annes Bühne oder Gastbühnen.
Voneinander lernen
„Ob wir nun mit unseren Kunstprojekten derart erfolgreich werden wie meine Frau im Bereich Puppentheater, weiß ich nicht“, sagt Gert Sudbrack. Das jedoch sei eher unwichtig. Wichtig sei hingegen, sich mit Menschen über Kunst vor der Haustür auszutauschen, Anregungen für neue Sichtweisen zu liefern und zu erhalten und über Kunstgespräche mehr Toleranz und Interesse gegenüber Neuem und Ungewohntem zu entwickeln.
