Aurich - Er ist sympathisch. Er ist Geiger. Er ist ein Magier: Daniel Hope. Stets von Neuem verzaubert er sein Publikum, ein Künstler mit Herz, dem man seine offene und natürliche Art genau so abnimmt wie sein Spiel. Und wenn er dann noch ohne jeglichen Akzent mit einem herzhaften „Moin“ das Publikum begrüßt, liegt dieses ihm allein deshalb zu Füßen.
So geschehen am Freitag beim Eröffnungskonzert der „Gezeiten“ 2019 in der Auricher Lambertikirche, die Hope so sehr schätzt. Wegen der guten Akustik, wegen des Publikums, das ihn schon vor dem ersten Ton mit Lorbeer bekränzt. Das Ensemble „l’arte del mondo“ begleitete ihn durch Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, einem Selbstläufer, der Hope wie auf den Leib geschneidert ist, und den er doch jedes Mal neu erfindet.
Frühling und Herbst zeigten sich moderat; in Sommer und Winter jedoch entfesselten sich Naturgewalten, die man dem „netten“ Venezianer anhand gängiger Einspielungen gar nicht zutraut. So bringt das Gruseln richtig Spaß: trocken und sicher zu sitzen, während um einen herum temporeiche Unwetter toben. Die Akustik der Lambertikirche machte es möglich, denn sie verstärkt die Subito-forte-Stellen in dem Maße, wie sie feines Pianissimo klangvoll trägt.
Das nutzten die Musiker weidlich aus; zwar wiederholten sich die Effekte, doch sie ermüdeten nicht, zu groß war die Spielfreude, zu mitreißend das Temperament aller. Die Freiheiten, die sich Hope in den Soli nahm, rundeten das Bild einer Interpretation, die reine Energie und Plastizität versprühte.
Max Richters skizzenhafte Annäherungen an Vivaldi („Recomposed – The Four Seasons“, 2012) wurden zum zweiten stürmischen Bravourstück des Konzerts, doch reicht das Werk an die Finessen des Original nicht heran. Tumultartiger Beifall krönte diesen Auftakt nach Maß.
Tag zwei der Gezeiten wandte sich zum eigentlichen Schwerpunkt des Festivals: hochkarätig besetzte Kammerkonzerte in Ostfrieslands kleinen Dorfkirchen. Der Pianist und künstlerische Leiter des Festivals, Matthias Kirschnereit, präsentierte sich in Backemoor mit einem frenetisch bejubelten Soloabend und Klavier-Klassikern aus zwei Jahrhunderten, insbesondere der Sonate f-Moll von Brahms.
Tag 3 dieses gewichtigen Auftaktpakets war in Leer wiederum festlicher Orchestermusik gewidmet.
