AURICH - Das ist jemand fürs Ratespiel „Wer war’s?“: jener Komponist, mit dessen populärstem Werk der „Musikalische Sommer in Ostfriesland“ in der ausverkauften Lambertikirche in Aurich begann. Ein gelernter Rechtsanwalt, der sich mit an Wagner orientierter, aber exotisch umwehter Musik einen Namen machte, in dessen Haus Künstler wie Debussy ein- und ausgingen und der mit 44 Jahren bei einem Fahrradunfall starb. Wer also bitte?

Ernest Chausson (1855– 1899) ist gemeint – und sein „Poème“ zeigt schlagend das Erfolgsgeheimnis dieses Musikfestivals auf. Dem Künstlerischen Leiter Wolfram König scheint es auch beim 24. Musiksommer zu gelingen, ein breites Publikum durch Programme bei der Stange zu halten, in denen es sich zu Hause fühlt. Aber die Zusammenstellungen erzeugen durch ungewöhnliche Varianten oder skurrile Kapriolen stets neue Spannung. Viele der 51 Konzerte bis zum 17. August sind ausgebucht.

Chaussons „Schlager“ erklingt in der erst vor zehn Jahren aufgefundenen Komponisten-Fassung für Violine, Streichquartett, Kontrabass und Klavier. Solist Philippe Graffin erzählt vorweg die dem Gefühlsdrama zugrunde liegende Kurzgeschichte „Le chant de l’amour triomphant“ von Iwan Turgenjew. Musikalisch bleibt er ihr dann keine Nuance schuldig. Die reduzierte Besetzung schärft die Kontraste des Werks, ohne es seines schwärmerischen Tones zu berauben.

Auch das zweite Hauptwerk zählt zu den volkstümlichsten seines Komponisten: Schuberts „Forellenquintett“. Franziska König (Violine), Petra Wolff (Viola), Oleg Kogan (Cello), Szymon Marciniak (Kontrabass) und Iwan König (Klavier) versprühen ebenso Gelassenheit wie Übermutslaune, suchen nicht zwingend nach Abgründen in der Musik, schlagen aber auch keine Bögen um gespenstische Einschübe wie in der vierten „Forellen“-Variation.

Anfangs dominiert die Violine in ihrer Führung, aber die Partner schließen rasch im Zugriff zu ihr auf. Zur besonderen Stärke zählt die Zurücknahme des Pianisten, der sich nicht über die Streicher erhebt, sondern sich wundervoll einfügt. Zudem bezaubern die holländischen Schwestern Josefien (Sopran) und Charlotte Stoppelenburg (Alt) mit ihrem Vater Willem am Klavier mit Händel (Italienische Duette) und Brahms (Fünf Duette op. 66). Gerade Brahms will aufwandlos, aber nicht leichtgewichtig gesungen sein. In diesem facettenreichen Einfangen der Stimmung verdoppelt der duettierende Gesang geradezu die Reize.

Weitere Infos und Programm: www.musikalischersommer.net