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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Tischler Hin Bredendieck: Er brachte ein wenig Ikea nach Chicago

05.06.2020

Aurich /Oldenburg In seiner Lebensgeschichte steckt vieles, was ein Künstlerleben im 20. Jahrhundert ausgemacht hat: Der Designer und Bauhaus-Absolvent Hin Bredendieck (1904 bis 1995), der in Aurich als Hinrich Hermann Focko Bredendieck geboren wurde, lernte nach dem Besuch der Volksschule ein Handwerk, besuchte eine Abendschule, arbeitete im erlernten Beruf als Tischler und schrieb sich in den Kunstgewerbeschulen in Stuttgart und Hamburg ein, wurde nach Studienabbruch an der Kunstgewerbeschule in Berlin abgelehnt, um dann am Bauhaus in Dessau zu studieren. Dort begann Bredendieck 1927 sein Studium und fühlte sich am richtigen Platz, wie er später in seinen Lebenserinnerungen schrieb. Bredendieck entwarf unter anderem Möbel und Leuchten, Gegenstände für den Alltagsgebrauch und beendete sein Studium im Jahr 1930.

Über dieses kreative Leben, das ihn zeitweise auch nach Oldenburg führte, haben Gloria Köpnick und Rainer Stamm vom Landesmuseum Oldenburg eine Künstlerbiografie verfasst, die unter dem Titel „Hin Bredendieck – Von Aurich nach Atlanta“ im Hirmer Verlag als Buch herausgekommen ist und die schon Gegenstand des Ausstellungs- und Forschungsprojekts „Zwischen Utopie und Anpassung. Das Bauhaus in Oldenburg“ im Landesmuseum gewesen ist (2016/2019). 280 Seiten umfasst der Bildband mit deutschen und englischen Texten, der dem Nordwesten in Erinnerung bringt, dass einer von ihnen, nämlich Hin Bredendieck aus Aurich, ein anerkannter Industriedesigner war, der die Bauhaus-Ideen von der Gestaltung bis in die USA trug.

Möbel Marke Eigenbau

Viele Marksteine der Bauhaus-Geschichte und ihre Schöpfer finden Erwähnung, und viele unbekannte Details haben Gloria Köpnick und Rainer Stamm herausgearbeitet. Zum Beispiel von Bredendiecks Idee für Heimwerker in den USA, die ihre nach Bredendiecks Ideen gefertigten Möbelteile zu Stühlen, funktionalen Wandschränkchen und Tischen selbst zusammenbauen konnten. Zur gleichen Zeit, als Ingvar Kamprad an seinen ersten Ikea-Möbeln bastelte.

Der Weg des Hin Bredendieck führte über Zürich nach Oldenburg, wo im Landesmuseum Direktor Walter Müller-Wulckow tätig war – und der Moderne sehr aufgeschlossen. Er regte junge Talente zum Besuch der Bauhaus-Gestaltungshochschule an, darunter Hermann Gautel (1905 bis 1945), der Bredendieck in der Metallwerkstatt des Bauhauses kennenlernte. Gautel hatte ein Einrichtungsgeschäft gegründet („Für die Wohnung“). So entstanden etwa ein verstellbares Schlafsofa oder Möbel, die junge Paare über das „Ehestands-darlehen“ erwerben konnten.

Bredendieck heiratete 1935 in Aurich Virginia Weisshaus, die aus den USA stammte. 1937 emigrierte das Ehepaar in die USA, wo er zeitweilig am New Bauhaus Chicago tätig war. Es folgten Jahre als Freiberufler in Chicago und schließlich ein Lehrauftrag am Institute of Design in Chicago (László Moholy-Nagy).

Ruf nach Atlanta

1952 erhielt Bredendieck schließlich einen Ruf an das Georgia Institute of Technology in Atlanta. Aus dem Tischlergesellen aus Aurich war ein international vernetzter und bekannter Professor für Industriedesign geworden. Diese interessante Biografie hat Gloria Köpnick (Mitarbeit Rainer Stamm) zu einem opulenten Bildband zusammengefasst, dem eigene Texte Bredendiecks im Anhang beigefügt wurden, und der die Ikonen der Gestaltung – sowohl die Bauhauslehrer als auch ihre bahnbrechenden Ideen und Produkte – zu Wort kommen lässt.

Und eines wird deutlich, welcher Idee diese Kreativen nachhingen: Dass der Inhalt die Form bestimmen soll, und nicht umgekehrt.

„Hin Bredendiek. Von Aurich nach Atlanta“: Mit Texten, Briefen und Dokumenten, bearbeitet von Gloria Köpnick und mit Beiträgen von Rainer Stamm. Text: Deutsch-Englisch. Hirmer Verlag, 280 Seiten mit allein 200 farbigen Abbildungen, 49,90 Euro.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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