Am Freitag feierte Ulla Böhm-Lehr ihren 52.Geburtstag. Ihr größtes Geschenk hatte sie sich aber schon am 19. November selbst gemacht. An diesem Tag ging mit der Eröffnung ihres eigenen Cafés ein großer Traum in Erfüllung. Es ist aber nicht irgendein Café, sondern das beliebte Landcafé Loewenstein in Hohenböken. Inhaberin Hilde Loewenstein musste aus gesundheitlichen Gründen dieses Café schließen und unter den vielen Bewerbern erhielt Böhm-Lehr den Zuschlag.

Schon als Gast war die Bookholzbergerin von diesem Café begeistert. „Ich habe schon damals zu meiner Familie gesagt: Eines Tages, da werde ich dieses Café führen! Alle haben mich ausgelacht“, erinnert sie sich.

„Die ersten drei Wochen waren spannend und einfach nur schön. Wir hatten jeden Tag immer ein volles Haus“, erzählt mir die Powerfrau in ihrem unüberhörbaren hessischen Dialekt.

Aufgewachsen ist Ulla Rühl, so ihr Mädchenname, zusammen mit ihren drei Schwestern in Eichen (Nidderau) im Landkreis Hanau. Musik interessierte sie schon immer. Wenn sie Trommelklänge schon aus der Ferne hörte, gab es für sie kein Halten mehr. „Dann bin ich mit meinem Fahrrad hingefahren und habe mir den Musikzug angeschaut.“ Mit 14 Jahren spielte sie in einem Spielmannszug Querflöte. Gerne hätte sie die Trommel übernommen, aber der Leiter meinte nur: „Das machen bei uns nur die Jungs!“ Auch Polizistin wäre sie gern geworden. Ihr Vater, ein Finanzbeamter, riet ihr dringend davon ab.

Ein Aushang am „Schwarzen Brett“ in ihrer Schule brachte Ulla auf einen anderen Gedanken. Hier wurde eine Bäckereifachverkäuferin gesucht. „Das ist es“, war ihr erster Gedanke. Die Ausbildung machte sie in Windecken/Nidderau in einem Familienbetrieb. „Meine Ausbildung war hart und es sind auch schon einmal Tränen geflossen, aber es hat mir aus heutiger Sicht nicht geschadet!“, so Ulla Böhm-Lehr. In einer Disco lernte sie ihren ersten Ehemann Joachim Lehr kennen. Und wie der Zufall es so wollte: Er war Bäcker, und seine Eltern hatten einen eigenen Betrieb.

Joachim Lehr besuchte die Meisterschule, und Ulla arbeitete bald im Geschäft ihrer zukünftigen Schwiegereltern. Da das Miteinander doch Wünsche offen ließ, wechselte Ulla zunächst in eine Bäckerei in Frankfurt. Von dort wurde sie von ihrem ehemaligen Lehrbetrieb zurückgeholt, um die Leitung einer Filiale zu übernehmen. Als junger Bäckermeister folgte Joachim Lehr dem Rat eines Schulkollegen und wechselte 1987 zur Firma „MeisterMarken“ nach Bremen. Mit ihm zog seine junge Ehefrau Ulla von Hessen nach Norddeutschland. Im selben Jahr wurde Tochter Nadine und zwei Jahre später Sohn Christian geboren. Die junge Familie hatte ihren Wohnsitz in Delmenhorst und an den Wochenenden arbeitete Ulla in einer Filiale von der „Bäckerei Mönchhof“.

Joachim Lehr machte schnell Karriere und war sehr viel im Ausland unterwegs, die Ehe hielt diesen Belastungen nicht stand. Ulla ließ sich nicht unterkriegen und lernte nach einiger Zeit ihren jetzigen Ehemann Holger Böhm kennen. Seit 1999 wohnen Ulla und ihre Familie in Bookholzberg, dem Heimatort ihres Mannes. 1999 wurde auch der gemeinsame Sohn Nico geboren.

Der 13-jährige Sascha Rühl vervollständigt die Großfamilie. „Vor zwei Jahren verstarb die Mutter von Sascha, meine Großcousine. Sein Vater war schon vor vielen Jahren verstorben. Wir haben Sascha zu uns genommen, und wir sind sehr froh darüber und sehr glücklich mit ihm“, erzählt mir Ulla. Eine Nachbarin in Bookholzberg gab ihr vor einigen Jahren den Tipp, doch in den Pflegedienst zu gehen. Sie folgte den Rat und machte viele Lehrgänge und arbeitete unter anderem auch für die ambulante Pflege „Landdienste“. Bis vor wenigen Wochen war Ulla Hausdame in der „Villa Rosengarten“. Der Zeitungsbericht, dass ein Pächter für das Landcafé Loewenstein gesucht werde, änderte ihr Berufsleben komplett.

Auch im privaten Bereich änderte sich in den letzten Jahren so einiges. „Durch den Tod meiner Schwester vor fünf Jahren habe ich meine Einstellung zum Glauben geändert“, erzählt mir Ulla Böhm-Lehr sehr eindrucksvoll. Sie ist Mitglied der freien evangelischen Kirche „Christ Embassy“ in Bremen. „Ich brauche eine Kirchengemeinde, wo das Leben tobt. Wo zum Beispiel nach einer tollen Predigt auch einmal Beifall geklatscht werden darf“, schildert mir Ulla begeistert. „Hier fühle ich mich sehr gut aufgehoben und unseren Pastor Stanley kann ich immer um Rat fragen. Er hat mich auch ermutigt, diesen beruflichen Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.“

Ulla Böhm-Lehr, neue Betreiberin des Landcafés Loewenstein in Hohenböken