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Dorferneuerung Aus hässlichem Kasten wird Schmuckstück

Horst Lohe

Blexen - „Wie kann man sich einen solchen hässlichen Kasten kaufen?“ So lautete der Kommentar mancher Freunde und Bekannte, nachdem Sabine und Frank Patzke vor 19 Jahren ein 1910/11 errichtetes Haus an der Langen Straße in Blexen erworben hatten. Frank Patzke damals zuversichtlich: „Mag sein, dass es jetzt hässlich wirkt. Ich glaube aber, dass hinter der Fassade ein schönes Haus steckt und dass wir diese Schönheit irgendwann vollständig herausarbeiten können.“

Ortsbildprägend

Innen konnte die Familie zügig alles ganz schmuck gestalten. Nur eine hübschere Fassade ließ auf sich warten – bis die Aufnahme Blexens ins Dorferneuerungsprogramm neue Möglichkeiten bot. Jetzt ist das ortsbildprägende Haus aus der Gründerzeit Nordenhams komplett zu einem Schmuckstück geworden.

Gleich nach Erwerb des zweigeschossigen Hauses im Jahr 1995 packte der heute 47 Jahre alte Frank Patzke, der als Chemiemeister im Schichtdienst bei Kronos Titan arbeitet, selbst an bei der Kernsanierung. Ihm halfen sein Schwiegervater als Maurermeister und sein Vater als Elektriker. 2003 folgte die komplette Dach-Erneuerung. Damit das Haus auch dort seinen ursprünglichen Charme zurückerhält, wurden original Tonziegel verwendet.

  Mit Zuschüssen von 50 Prozent der Nettokosten werden öffentliche Vorhaben der Dorferneuerung gefördert – wie der jetzt vollendete erste Bauabschnitt zur schöneren Gestaltung der Langen Straße als Blexer Ortsdurchfahrt.

  Mit bis zu 30 Prozent der förderfähigen Bruttokosten können private Vorhaben unterstützt werden. Das ist aber nur bei ortsbildprägenden Gebäuden möglich und beschränkt sich auf Fassadengestaltungen einschließlich Fenster, Türen, Dächer.

Familie Patzke wurde darauf aufmerksam, ließ sich vom Planungsbüro beraten und stellte erfolgreich einen Förderantrag. Das zuständige Landesamt in Oldenburg bewilligte etwas mehr als 11 000 Euro und damit die vollen 30 Prozent.

Im Herbst vergangenen Jahres demontierte Frank Patzke die unschönen Zementfaserplatten, die in den 1970er Jahren zur Verkleidung der Putzfassade angebracht worden waren. Im November wurden zweiflügelige Holzfenster als Stulpfenster mit Oberlicht eingebaut. Sie haben im Oberlicht drei aufgelegte Sprossen und ersetzen die 1986 eingebauten schlichten Kunststofffenster.

Im Frühjahr dieses Jahres rückte der Maler an. Die Fensterbänke waren ursprünglich gemauert. Sie und Fensterrahmen erhielten jetzt weiße Stuckprofile. Zur Fassaden-Verschönerung wurde zudem ein weißes Band angebracht. Schwierig erschien die Wahl des passenden Fassadenanstriches. Familie Patzke entschied sich für einen hellen Gelbton.

„Ich bin sehr zufrieden. Jetzt sieht unser Haus so aus, wie ich es mir als schmuckes altes Nordenhamer Gründerzeitgebäude vorgestellt habe“, zieht Frank Patzke erfreuliche Bilanz. Ohne Zuschüsse wäre das jetzt nicht und später auch nicht in dieser Ausprägung möglich gewesen, zumal Stuckprofile sehr teuer seien. Dankbar ist Frank Patzke auch für die Beratung der Leiterin des Bauverwaltungsamtes im Rathaus, Sabine Walther.

Anliegerbeiträge

Frank Patzke freut sich zudem über die Neugestaltung der Langen Straße. Zwar müsse er wie alle Anwohner dafür Anliegerbeiträge zahlen. Aber irgendwann wäre eine Erneuerung des Fußweges und der Straßenlaternen ohnehin nötig geworden. „Dann hätten wir ohne Zuschüsse aus der Dorferneuerung mehr Geld für eine weniger schöne Gestaltung bezahlen müssen.“

Amtsleiterin Sabine Walther ermutigt derweil weitere Bürger, Förderanträge für private Vorhaben zu stellen. „Der Aufwand für das Verfahren ist zwar nicht gering, aber beim Haus der Familie Patzke kann man sehen, dass etwas Schönes dabei herauskommt.“

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