Jever - Jeder hat sie irgendwo schon einmal gesehen, ob im Fernsehen, in der Zeitung, ob auf großen Tafeln mitten in der Stadt oder an Litfaßsäulen am Straßenrand: Reklame. Und genau die machte der Plattdeutsche Gesprächskreis des Jeverländischen Altertums- und Heimatvereins zum Thema seines Abends am Mittwoch im Anton-Günther-Saal des Rathauses.

Etwa 80 Gäste besuchten den plattdeutschen Abend, darunter auch Plattdeutsch-Beauftragter Hermann Wilken. „Reklame ist die Meinungsbeeinflussung mittels Kommunikationsmedien“, definierte Christoffer Groninger, der den Abend anstelle von Horst Janssen moderierte. Groninger knüpfte sogleich sein Hemd auf. Darunter hatte er ein grünes T-Shirt mit der Aufschrift „Wie das Land, so das Jever“. „Auch das ist Werbung“, meinte er lächelnd.

Wilfried Fürlus erinnerte an Werbung von früher, „die war damals nämlich noch anders“, betonte er. Per Overhead-Projektor zeigte er unter anderem Bildchen, die manch einem Besucher bekannt vorkamen. Von der „original Miele“ bis zum Adler-Fahrrad – „zuverlässig und mit leichtem Lauf“ – war so einiges dabei. Seine Lieblingswerbung ist dabei die original Reklame aus der Zeitung vom 1. Mai 1942 für das Fischgeschäft seiner Großeltern.

Für schallendes Gelächter sorgte die ironische Geschichte von Rudi Rabe „Mien Kiekkasten is mien Levensretter“. „Ji möögt dat glöven of nich: mien Kiekkasten is mien Levensretter un mien Begleiter schlechthen“, begann Rabe und zählte sämtliche Helferlein fürs Leben auf, die ihm durch die Reklame bekannt wurden. Wie die Waschmaschine seiner Frau, die kaputt gegangen ist: „Harr se doch up Klementine hört“, so Rabe. „Die Reinweißkraft von ,Ariel‘ schützt Ihre Wäsche und Waschmaschine“, hieß es schließlich in der Werbung. Laute Zwischenrufe und Gelächter zeigten: An diese Reklame erinnern sich noch viele andere.

Eigentlich müssten wir ja alle dankbar für die Reklame sein, betonte Rabe: „Sonst harrn wi ja nicht wusst, dat dat Palmolive ok good för Huut un Hannen is. Fröher harrn de Froolüü ruuch Hannen, de weern ja good för Teetassen ofwasken“, so Rabe, „daar bleven kien Teeränner mehr.“

Christa Arntz hob die andere Seite der Reklamewelt hervor – nicht die, die wir als Konsumenten kennen, sondern die der Produzenten. Heutzutage werde viel mit Computern gearbeitet, die Menschen, die sich um Reklame kümmern, müssen unheimlich kreativ sein, erzählte sie. Außerdem habe man in der Branche die Möglichkeit, ganz gut Geld zu verdienen. „Das müsst Ihr euren Enkelkindern weitersagen“, fügte sie scherzhaft unter Gelächter hinzu.

An eine ganz besondere Art der Werbung erinnerten auch Rudi Rabe und Hermann Wilbers, nämlich an die aus dem Kino. Beide hatten damit so ihre ganz eigenen Erlebnisse.

„Gemeinsam sind wir mit dem Fahrrad sogar einmal nach Oldenburg ins Kino gefahren“, erzählten Wilbers und Rabe. Dort ist dann nicht nur vor Filmbeginn Werbung zu sehen. Auch für die Filme an sich gibt es große Werbeplakate. Rabe brachte sein persönliches Schätzchen mit, das er unter Staunen und Jubeln aller Gäste aufrollte: Ein riesiges Plakat zum bekannten Film „Casablanca“ – eine Reklame, an die sich wohl viele Menschen sehr gerne erinnerten.

Antje Brüggerhoff
Antje Brüggerhoff Lokalredaktion, Jeversches Wochenblatt