Oldenburg - Hobbys? Kristina Gorjanova überlegt länger: „Ich leite den Jugendclub im Oldenburgischen Staatstheater.“

Schauspielerin durch und durch eben: Seit der Spielzeit 2010/11 gehört sie zum Ensemble des Theaters. Ihre familiären Wurzeln merkt man ihr nicht an – kein Akzent verrät ihre Herkunft. Kristina Gorjanova ist in Kirgistan aufgewachsen, genau genommen in Schopokow. 1997 kam sie gemeinsam mit ihrer Familie als 14-Jährige nach Deutschland, hat die deutsche Wirklichkeit in Durchgangslagern erlebt, mit ihren Eltern für eineinhalb Jahre in einem gemeinsamen Zimmer gelebt, nachdem sie für ein paar Tage sogar in einem Gemeinschaftssaal untergebracht worden waren. Die Familie hielt zusammen. Gorjanova: „Heute sind wir mit Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen 20 Leute, wenn wird uns treffen.“

Das größte Problem war die Sprache für die Jugendliche, sie konnte kein Wort Deutsch. Doch Kristina Gorjanova biss sich durch, wurde von ihren Eltern für das Gymnasium in Hilden (bei Düsseldorf) angemeldet und schaffte dort ihr Abitur.

Sie wirkt unkompliziert, jugendlich, ist fröhlich, freundlich, offen und direkt: die Rolle der Polly in Brechts „Dreigroschenoper“ war wie für sie gemacht. Weitere Rollen hat sie in den Stücken „Kabale und Liebe“, „Der Kirschgarten“, „Ein Schaf fürs Leben“, „Marx macht mobil“ und „Tschick“ nach dem Jugendroman von Wolfgang Herrndorf übernommen. Er handelt von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen einem 14-Jährigen aus bürgerlichen Verhältnissen und einem verwahrlosten jugendlichen Spätaussiedler aus Russland.

„Tschick“ wird in der Exerzierhalle am Pferdemarkt aufgeführt. „Eine faszinierende Spielstätte“, gesteht die Schauspielerin ihre Vorliebe. Zurzeit laufen die Proben für „Superhero“. Erzählt wird darin die Geschichte eines jugendlichen Comiczeichners, der an Krebs erkrankt und die Lust am Leben verliert, sich von einem Psychologen behandeln lassen muss – ein Jugendtheaterstück, nah dran an der Wirklichkeit.

Zum Schauspiel ist Kristina Gorjanova eher zufällig gekommen. Nach dem Abitur ist sie als 20-Jährige nach Aachen gezogen, überlegte sich, was sie nun weiter tun sollte, landete bei einem Stadtbummel vor einem Theater und fragte, ob sie dort hospitieren dürfe. „Ich durfte. Und als ich bei der Probe des Ibsen-Stücks ,Baumeister Solneß’ zusah, stand mein Entschluss fest,  ich werde Schauspielerin.“

Eine Entscheidung, die sie nicht bereut hat. Von 2006 bis 2010 studierte sie Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Generalintendant Markus Müller holte sie dann nach Oldenburg. Die Stadt wird Kristina Gorjanova nach Ende der Spielzeit 2013/14 wieder verlassen. „Oldenburg wirkt sehr behütet, die Stadt ist überschaubar, die Menschen wirken entschleunigt“, urteilt die 30-Jährige. Sie wünscht sich von ihnen allerdings ein wenig mehr Gelassenheit: „Zum Beispiel, wenn ich mich mit meinem Fahrrad nicht so ganz hundertprozentig an die Vorschriften halte – oder in der Warteschlange am Gemüsestand.“

Thomas Husmann
Thomas Husmann Redaktion Oldenburg