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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Gastspiel: Ausnahmepianist hält den Tastentiger im Zaum

15.02.2014

Wilhelmshaven Klar, den Tasten-Turbo kann er weiterhin zünden. Nicht umsonst wird Arcadi Volodos für seine immense Spieltechnik gerühmt. In Wilhelmshaven lässt es der einst als „Klavier-Schwarzenegger“ bezeichnete Petersburger Pianist in Schumanns Fantasie op. 17 zwischendurch ein wenig blitzen, donnern und rauschen. Aber selbst da, am Ende eines langen Programms, hält Arcadi Volodos (41) den Tastentiger im Zaum. Wie gut er Klavier spielen kann, muss er ohnehin keinem mehr beweisen.

Volodos geht es inzwischen um andere Dinge. Schumanns Fantasie wird von ihm schon dynamisch auf große Kontraste hin angelegt. Davor, ebenfalls Schumann, die berühmten „Kinderszenen“, die Volodos mit feinherbem Zugriff sehr charakteristisch und passgenau im bei diesem Werk engen Korridor zwischen Abgeschliffenheit und Überinterpretation ausgestaltet. Gleich vier Zugaben erklatscht sich das Publikum in der gut besuchten Stadthalle am Ende des Abends.

Doch geradezu sprachlos macht einen das, was vor der Pause geschieht. Dort lässt Volodos erst mal eine frühe Schubert-Sonate (Nr. 2 D 279) hören, um sich dann, solchermaßen eingespielt, einem Dutzend Beispiele aus der „Música Callada“ von Frederic Mompou (1893–1987) zu widmen. Musik, die eher im Halbschatten des Klavierrepertoires zu finden ist und dessen Autor einst sagte, er komponiere nicht, sondern „dekomponiere“. Plötzlich zeigt sich da ein Volodos 2.0, der die expressiven Möglichkeiten des Instruments bis an die Grenzen sucht, um die Innerlichkeit und Intensität dieser geradezu antivirtuosen Musik offen zu legen.

Volodos, der offenbar stark in Melodiestrukturen denkt, phrasiert selbst im dreifachen Pianissimo noch ab und leistet sich auch im langsamsten Tempo noch Verzögerungen, singt quasi über die Pausen hinweg. In Mompous sparsamer Textur wird somit jeder Anschlag bedeutsam, und Volodos gelingt es, die Spannung in dieser Musik der Stille immer weiter zu erhöhen. Am Ende hält die ganze Halle den Atem an. Dass Volodos am Schluss von Schumanns Fantasie ebendiesen Klang nochmals beschwört, zeugt vom Feinsinn dieses Ausnahmepianisten.

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