Von Gerret von Nordheim
Frage:
Herr Warrelmann, Ihre Ausstellung trägt den Untertitel „Eine fotografische Reise durch unser Umweltbewusstsein“ –- wie entführen Sie den Betrachter Ihrer Werke?Warrelmann:
Ich nehme ihn mit auf eine Reise, die aber nicht durch Daten, Fakten und Prognosen über Umweltprobleme und Klimawandel geprägt ist, sondern durch das, was sich in unserem Köpfen abspielt, was wir empfinden. Umweltprobleme sind komplex und vielschichtig, sie lassen sich nicht durch ein einfaches Ursache-Wirkungs-Modell beschreiben, im Gegenteil: sie sind alles andere als einfach erklärbar. Wenn aber etwas schwer erklärbar ist, werden wir unsicher und reagieren emotional. Diese Emotionen möchte ich dem Betrachter mit meinen Bildern vermitteln.Frage:
Und wie wollen Sie diese Emotionen beim Ausstellungsbesucher wecken?Warrelmann:
Es geht mir nicht um eine Dokumentation der dramatischen Umweltveränderungen, um keine abbrechenden Eisberge oder abschmelzenden Gletscher, auch um keine Katastrophenszenarien in New Orleans oder anderswo. Mein Ziel ist es vielmehr, mit einfachen Motiven aus unserem Alltag auf die verschiedenen Facetten von Klimawandel und Umweltproblemen hinzudeuten. Ich experimentiere mit verschiedenen Blickwinkeln, einem Wechselspiel von Schärfe und Unschärfe, mit Farben, Formen und Dimensionen. Ich möchte den Betrachter dazu inspirieren, einen persönlichen Zugang zum Schutz und Erhalt unserer Umwelt zu entwickeln. Komplettiert werden die Bilder übrigens durch Kurztexte, die Denk- und Diskussionsanstöße liefern sollen.Frage:
Was zeigen Sie konkret?Warrelmann:
Auf der Fotografie „Dissonanz“ zum Beispiel ist eine Statue zu sehen, die ich auf Schloss Eckberg bei Dresden fotografiert habe. Ihre herrisch majestätische Geste wirkt, als wolle sie die ihr zu Füßen liegende Landschaft kontrollieren. Die Vorstellung, die Natur dirigieren zu können, ist jedoch obsolet, gehört vergangenen Zeiten an wie die Statue selbst – deshalb Dissonanz.In der Fotografie „Sunset“ habe ich das malerische Motiv der Falkenburger Windmühle „De lütje Anja“ entfremdet, ihm eine subtile Zukunftsangst beigemischt. In der vordergründigen Idylle des Sonnenuntergangs wirkt sie nun bedrohlich, um ihre Flügel bildet sich ein Strudel – man kann das Rad der Zeit nicht mehr zurückdrehen.
