Von Andreas Naaf
Frage:
Frau Lohmann-Liebezeit, erstmals veranstaltet der Präventionsrat eine Ausstellung für Kinder, die sich im weiteren Sinne mit dem Thema Gewalt beschäftigt. Heißt das, dass Gewalt gegen Kinder zugenommen hat?Lohmann-Liebezeit:
Nein, die Ausstellung ist eine rein präventive Maßnahme. Gewalt gegen Kinder hat es schon immer gegeben. Zugenommen hat sie nicht.Frage:
Ist das Thema in der Öffentlichkeit denn präsenter als früher?Lohmann-Liebezeit:
Nicht unbedingt. Über spektakuläre Fälle – etwa Tötungsdelikte – wird zwar bundesweit berichtet. Wir vom Präventionsrat kümmern uns aber eher um die stille, häusliche Gewalt. Und da wird noch zu wenig drüber gesprochen. Auch bei sexueller Gewalt gibt es noch zahlreiche Tabus.Frage:
Gibt es Unterschiede zwischen dem ländlichen Raum und der Stadt?Lohmann-Liebezeit:
Nein, Gewalt gibt es überall. Ein Stadt-Land-Gefälle ist nicht feststellbar. In der Stadt gibt es zwar mehr Fälle, aber da leben ja auch mehr Menschen.Frage:
Wie wollen Sie mit Ihrer Ausstellung denn der Gewalt vorbeugen?Lohmann-Liebezeit:
Wir wollen den Kindern vermitteln, dass sie „Nein“ sagen dürfen, wenn ihnen etwas unangenehm ist. Sie sollen lernen, ihren Gefühlen zu vertrauen und sich Hilfe zu holen, wenn diese verletzt werden.Frage:
Worauf sollten Erwachsene achten?Lohmann-Liebezeit:
Erwachsene müssen Grenzen – etwa im Hinblick auf Berührungen – bei Kindern ernst nehmen. Sie müssen es akzeptieren, wenn ein Kind „Nein“ sagt. Unsere Ausstellung soll zudem Zivilicourage fördern. Wir wollen Menschen ermutigen, nicht wegzusehen, wenn Kindern Gewalt angetan wird.Die Präventionsbeauftragte der Gemeinde, Birgit Lohmann-Liebezeit, über Gewalt gegen Kinder und die Ausstellung im Kulturhof.
