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Ausstellung Wo Farbbahnen sich treffen und kreuzen

Jürgen Weichardt
OLDENBURG - Dass die berufliche Arbeit mit dem Web keinen Abschied von der Malerei bedeuten muss, belegt die Diplomdesignerin Helga Terwolbeck. Sie ist im Web nachweisbar erfolgreich, nutzt Freizeit und Urlaub aber zum Malen. Eine kleine Auswahl ihrer Bilder zeigt die

NWZ

 -Galerie im April.

Die Oldenburgerin nimmt sich auf Norderney des traditionellen Themas Aussichten auf das unruhige Meer an und malt lebhafte Wellenspiele unter bedecktem Himmel. Dann erweitert sie die Motivik um Sonnenuntergänge und spiegelt das gleißende Licht auf dem Wasser. Blicke auf den Jadebusen fallen auf den im Wasser stehenden Stuhl des „Kaisers Butjatha“. Diesen Bildern fehlt es nicht an romantischen Empfindungen.

Die Künstlerin weiß um den großen Abstand zu ihren gleichzeitig entstandenen abstrakten Bildern und verfremdet einzelne Blicke über die Nordsee durch rhythmische Pinselzüge, die Regenwolken gleich von einer Seite in die Komposition eindringen. Die Farben in diesen Bildern werden den Sujets, den Wellen, den Schaumkronen, dem Himmel entsprechend gewählt, so dass Blau und Weiß dominieren.

In den „Abstraktionen“ ist die Künstlerin dagegen ganz frei von einer Farbbindung. Sie bevorzugt die Grundfarben mit einem Kontrast, so dass die Bilder sehr farbkräftig sind. Die Intensität der Farben geht mit der gestischen Farbsetzung – große Pinselschwünge und kräftige Farbzüge – konform. Doch erweitert sich das Farbenspektrum während der Malaktion: Durch das Schichten der drei Primärfarben entstehen zahlreiche Zwischentöne, je nachdem, wie transparent die oberen Schichten gehalten sind.

Die Bewegungen der Pinselschwünge können gegenläufig sein, die Farbbahnen treffen und kreuzen sich und entwickeln dabei dank der Farbperspektive, in der jede Farbe für eine Position im Raum steht, auch räumliche Vorstellungen. Die Künstlerin greift zudem in den Farbverlauf ein, wenn sie an manchen Stellen kantig-gratige Grenzen setzt, bei denen durch die schnell trocknende Farbe pastose Ränder entstehen können. Diese deuten an, dass die Malerin während des Malvorgangs die Spontaneität steuern und die intuitiv wachsende Komposition ordnen will.

Helga Terwolbeck, die Grafik-Design an der Hochschule für Gestaltung in Bremen und für das Lehramt Kunst in Marburg, Kassel und Oldenburg studiert hat, entwickelt in kleineren Bildern scheinbar stärker geordnete Kompositionen. Doch da die Farben weiterhin keine strengen Begrenzungen haben, schweben die ruhigeren Kompositionen zwischen spontaner Setzung und geometrischer Formgebung. Den Arbeiten ist die Freude am Machen und die Entspannung von alltäglicher Tätigkeit anzusehen.

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