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Auszeichnung Zufall bestimmt die Politik

Reinhard Tschapke

FRAGE:

Was sagt Ihnen der Name Carl von Ossietzky?

HELLER

: Schon in meiner Kindheit hat mir der Name sehr viel bedeutet. Der deutsche Publizist stand für den Kampf gegen die Diktatur der Nationalsozialisten und für Freiheit.

FRAGE:

Ihr Vater und viele Verwandte wurden Opfer der Judenverfolgung während der Zeit der NS-Diktatur. Wenn Sie an Deutschland denken, denken Sie dann immer auch an diese schlimme Zeit?

HELLER

: Nein, überhaupt nicht mehr. Das ist heute ein ganz anderes Deutschland. Außerdem stellt sich mir die Frage anders: Wie sind die Menschen dazu fähig, Juden zu vernichten? Wie konnten solche Sachen passieren? Warum ist es in Deutschland passiert? Das hat mit den Deutschen an sich überhaupt nichts zu tun.

FRAGE:

Sie sind ja auch mit der deutschen Kultur aufgewachsen. Wie stark wurden Sie davon geprägt?

HELLER

: Ja, ich bin mit der deutschsprachigen Kultur erwachsen geworden. Mein Vater stammt aus Wien, meine Großmutter las jeden Tag ihren Goethe, als Kind habe ich Thomas Manns Bücher genossen. Ich habe Deutschland und die Deutschen nie mit Adolf Hitler identifiziert.

FRAGE:

Sie leben heute in Ungarn. Dort gibt es seit Monaten große Proteste gegen die nationalkonservative Regierung . . .

HELLER

: Es ist jetzt die Frage, ob Ungarn nicht nur Teil der ökonomischen Europäischen Union, sondern auch der politischen Europäischen Union sein wird. Die Frage ist bis heute noch nicht beantwortet, und eine Lösung habe ich auch nicht parat. Auf jeden Fall muss die Europäische Union die Freiheitsbewegung in Ungarn unterstützen. Schließlich geht es um Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Demokratie, die von der neuen Verfassung beschnitten werden.

FRAGE:

Wenn man einen ungarischen Jugendlichen heute fragen würde, was bedeutet dir Europa, was würde er antworten?

HELLER

: Offen gesagt: Das Kind oder der Jugendliche würde die Frage überhaupt nicht verstehen. Ich wünsche mir aber eine Welt, in der die Kinder diese Frage verstehen können!

FRAGE:

Wie steht es denn im Moment um die Freiheit in Ungarn?

HELLER

: Es steht schlecht. Die Rechte werden immer stärker eingeschränkt durch die rechtsgerichtete Regierung. Das wird sich hoffentlich bald ändern. Man kann schließlich nicht nur pessimistisch leben, und ich habe schon in wesentlich schlechteren Zeiten gelebt. Anders gesagt: Das Verhalten eines Menschen kann sich plötzlich verändern. Das ist auch in der Politik möglich. Politik ist, mehr als man glaubt, von Zufällen geprägt.

FRAGE:

Am 4. Mai wird Ihnen in Oldenburg der Ossietzky-Preis überreicht. Wissen Sie schon, worüber Sie in Ihrer Dankesrede sprechen werden?

HELLER

: Ich möchte über das Verhältnis der Philosophen zur Politik sprechen.
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