Darmstadt - Der Schriftsteller Jürgen Becker (81) erhält den Georg-Büchner-Preis 2014. Der Lyriker, Hörspiel- und Prosaautor habe die deutschsprachige Dichtung über Generationen entscheidend geprägt, teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Freitag in Darmstadt mit. Der mit 50.000 Euro dotierte Büchner-Preis gilt als herausragende literarische Auszeichnung in Deutschland. Er wird am 25. Oktober in Darmstadt verliehen.

Für den Schriftsteller Jürgen Becker ist der Georg-Büchner-Preis 2014 völlig unerwartet gekommen. „Ich habe weder damit gerechnet, noch darauf gewartet. Insofern war die Nachricht für mich überraschend“, sagte er am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. „Ich weiß, dass dieser Preis ein sehr wichtiger Preis ist. Wenn er jetzt im Alter kommt, dann kann man sagen, dass es sich gelohnt hat, so alt zu werden“, sagte der 81-Jährige, der in Odenthal nahe Köln lebt.

Der mit 50.000 Euro dotierte Büchner-Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Die Verleihung ist am 25. Oktober 2014 in Darmstadt vorgesehen. Becker wurde bereits als Lyriker, Hörspiel- und Prosaautor vielfach ausgezeichnet.

„Beckers Gedichte leben aus einer sensiblen, sinnlichen, neugierigen Weltzugewandtheit und einer vollendeten, dabei ganz unaufdringlichen Sprachkunst“, befand die Jury. In Beckers Naturansichten durchdringen sich nach ihrem Urteil die Zeiten, Beobachtetes und Erinnertes, Persönliches und Historisches. „Seine Gedichte lehren uns eindringlich, unsere Welt und unsere Sprache aufmerksamer wahrzunehmen“, lobte die Jury.

Becker wurde in Köln geboren und wuchs dort und in Erfurt auf. Er brach das Studium der Theaterwissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte ab und arbeitete als freier Schriftsteller, dann auch für den Westdeutschen Rundfunk und die Verlage Rowohlt und Suhrkamp. Von 1974 bis 1994 leitete er die Hörspielredaktion des Deutschlandfunks in Köln. Seine ersten Prosawerke waren „Felder“ (1964) und „Ränder“ (1968), danach erschienen Lyrikbände wie „Das Ende der Landschaftsmalerei“ (1974), „Foxtrott im Erfurter Stadion“ (1993), „Dorfrand mit Tankstelle“ (2007) und zuletzt „Scheunen im Gelände“ (2012).

Becker erhielt zahlreiche Literaturpreise. Er ist Mitglied der Berliner Akademie der Künste, der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Der Büchner-Preis ist nach dem Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Freiheitskämpfer Georg Büchner (1813-1837) benannt und wird seit 1923 vergeben. 1951 wurde der Preis in einen reinen Literaturpreis umgewandelt. Im vergangenen Jahr wurde die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff geehrt.

Mit „wilder Begeisterung“ hat der Literaturkritiker Denis Scheck (49) auf den Georg-Büchner-Preis für den Schriftsteller Jürgen Becker reagiert. „Becker ist ein großer Avantgardist und Revolutionär der Prosaform, trotz seiner 81 Jahre“, sagte Scheck, Redakteur beim Deutschlandfunk und Moderator des ARD-Büchermagazins „Druckfrisch“, am Freitag. Dem Preisträger gelinge eine hervorragende Balance „zwischen der Aufbewahrung historischer Erinnerungen und dem Aufbrechen etablierter Prosa- und Lyrikformen“.