[/AUTOR]BAD ZWISCHENAHN - Ein kleiner Spaziergang durch den Ort, noch ein Eis auf dem Weg und ein bisschen Sonne tanken, so klingt das Wochenende perfekt aus. Einmal über den Marktplatz geschlendert, dann vorbei an den Gräbern vergangener Generationen bis vor den Eingang der St.-Johannes-Kirche. Noch ein kurzer Blick in den wolkenlosen Himmel, der allmählich von der Dämmerung eingenommen wird und dann hinein. Der Fußboden knarrt.
Die harte Sitzbank wird von einem rutschenden Kissen gepolstert. Der Boden knarrt jetzt unaufhörlich. Die Kirche füllt sich fast wortlos. Dann kann es ja losgehen. Ebenso wortlos beginnen die Musiker des Ensembles „Le Capriole“ Bremen mit der Sonate Nr. 3 in B-Dur von Jan Dismas Zelenka. Die Violine ist leicht verstimmt und das barocke Gefühl mag nicht so recht aufkommen. Schließlich wurde seinerzeit zur Musik gefeiert. Die steife Atmosphäre erreicht ihren Höhepunkt als nach dem Ende des Stücks Schweigen herrscht. Hat da jemand gehustet? Ach, das Stück ist zu Ende. Na gut, es darf doch applaudiert werden. Was ist das? Eine scheinbar endlose Schlange von Menschen bahnt sich den Weg nach vorne. Das ist der Chor? Zur Barockzeit zählten Chöre kaum mehr als zwei Sänger pro Stimme. Keine Relation zu den einsamen Instrumenten. Das war nicht der einzige Grund, weshalb die kammermusikalischen Darbietungen von Alessandro Grandi („Cantabo Domino“), Johann Rosenmüller (Sonate Nr. 2 in e-Moll)
und Antonio Vivaldi (Sonate in d-Moll „La Follia“) überzeugender wirkten. Hier stimmte die Energie, die Dynamik und die Spielfreude. Einfach großartig.
G.F. Händels Psalmkantaten „Erbarme meiner dich, o Gott“ und „The lord is my light“ wirkten gebremst und angestrengt. Die Solisten Susanne Wilsdorf (Sopran) und Oliver Uden (Tenor) sangen solide, waren jedoch mit der englischen Aussprache nicht immer konform. Die Johanens-Kantorei unter Leitung von Hartmut Fiedrich war aufgrund des großen Klangkörpers überdimensioniert und begrub hin und wieder die Instrumentalstimmen. Im Klang des Applauses verabschiedeten sich die Musiker so wortlos wie sie gekommen waren.
