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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Autorin Judith Hermann Im Interview: Herzklopfen gehört dazu

10.09.2019

Frage: Was mögen Sie am Oldenburger Land?

Judith Hermann: Die Weite, den Himmel, die Lichtverhältnisse, manchmal den Wind, das Ausgeliefertsein an das Wetter. Das flache Land – die Tatsache, dass man sehen kann, was auf einen zukommt, bevor es eintritt.

Frage: Sie verschmähen die Berge?

Hermann: Ich fühle mich in den Bergen tatsächlich eingeengt, belastet und irgendwie beschränkt. Der Blick auf eine Weite hat für mich deutlich etwas Befreiendes, wenn ich aufs Meer sehen kann, auf Feld und Acker, geht mir das Herz auf.

Demnächst im Oldenburger Land viel unterwegs: die Schriftstellerin Judith Hermann BILD: Gaby Gerster/Archiv
Demnächst im Oldenburger Land viel unterwegs: die Schriftstellerin Judith Hermann BILD: Gaby Gerster/Archiv

Das Stipendium

Die Berliner Schriftstellerin Judith Hermann (49) erhält in diesem Jahr das Landgang-Reisestipendium. Es führt durch das Oldenburger Land. Vom 16. bis zum 23. September unternimmt die 49-Jährige als Stipendiatin des Literaturbüros Oldenburg eine Erkundungsreise, die in sieben Landkreisen und kreisfreien Städten Station macht.

Ihre Beobachtungen lässt sie in einen Text einfließen, mit dem sie im Frühjahr 2020 auf eine Lesereise der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen geht. Auf den sieben Stationen präsentiert sie dann das Ergebnis ihrer Erkundungstour bei öffentlichen Literaturveranstaltungen.

Judith Hermann gab 1988 mit „Sommerhaus, später“ ihr Debüt. 2003 folgte der Erzählungsband „Nichts als Gespenster“. Einzelne dieser Geschichten wurden 2007 für das Kino verfilmt. Zuletzt erschienen der Roman „Aller Liebe Anfang“ und die Erzählungen „Lettipark“. Für ihr Werk wurde sie unter anderem mit dem Kleist-Preis und dem Hölderlin-Preis ausgezeichnet.

Frage: Trinken Sie lieber Bier oder Wein?

Hermann: Ich trinke lieber Wein als Bier, aber wenn ich ein Bier trinke, dann – ungelogen! – ein Jever.

Frage: Können Sie mit dem Begriff Heimat etwas anfangen?

Hermann: Ich bin in Berlin geboren und habe einen großen Teil meiner Kindheit und Jugend in Friesland verbracht. Ich bin jetzt gerade in Friesland. . . – Berlin ist die Stadt, aus der ich komme, und sie hat mich sicher sehr geprägt. Aber beheimatet – im Sinne eines Ortes, nach dem man sich sehnt, zu dem man sich zugehörig fühlt – bin ich wohl eher im Wangerland.

Frage: Wie finden Sie das Landgang-Stipendium der Öffentlichen-Versicherungen, das Ihnen jetzt die Möglichkeit gibt, hier in der Region zu reisen und zu schreiben?

Hermann: Das Landgang-Stipendium ist eine Herausforderung. Es ist ein Reisestipendium, das begeistert mich, und es ist ein thematisch sehr offenes Stipendium. Die Freiheit, schreiben zu können, was ich will, macht die Reise schwer und leicht zugleich.

Frage: Wird das besonders schwierig für Sie, weil Sie über eine Region schreiben, die Sie gut kennen?

Hermann: Schreiben über eine Region, der ich mich nicht verbunden fühle, die ich nicht kenne, wäre sicher leichter, ja. Der neutrale Blick ist kühler, schärfer. Aber auf der anderen Seite bin ich neugierig zu sehen, wie diese Reise meine Neigung zur Region vielleicht auch neu prägen und verändern wird.

Frage: Gehen Sie gern auf Leute zu, was ja beim Landgang-Stipendium angedacht ist?

Hermann: Ich habe, als ich jung war, lange als Journalistin gearbeitet und gelernt, auf Menschen zuzugehen, ich hoffe, ich hab es nicht gänzlich verlernt. Ich empfinde ein gewisses Herzklopfen bei der Vorstellung mancher Begegnungen, aber dieses Herzklopfen gehört vermutlich dazu.

Frage: Mit welchem Verkehrsmittel werden Sie den Landgang bewältigen? Eine Vorgängerin von Ihnen fuhr mit dem Fahrrad herum.

Hermann: Ich nehme das Auto.

Frage: Und jetzt die alles entscheidende Frage: Sind Norddeutsche in Ihren Augen stur?

Hermann: Ja – vielleicht. Sie sind standhaft, finde ich. Offen, prinzipientreu, pragmatisch, dieser gewisse prinzipientreue Pragmatismus vermittelt möglicherweise manchmal den Eindruck der Sturheit.

Frage: Ganz generell: Wo möchten Sie künftig lieber leben – in Berlin oder hier?

Hermann: Ich sag’s Ihnen so, wie es tatsächlich ist: im Wangerland.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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