BAD ZWISCHENAHN - Einstige „Kinder von Tschernobyl“ sind heute als Erwachsene wieder zu Besuch. Die innige Freundschaft soll ewig bestehen bleiben.

Von Helmut Hogelücht

BAD ZWISCHENAHN - Die Familien des Vereins „Kinder aus Tschernobyl“ haben in den vergangenen Jahren annähernd 1000 Kinder aus dem radioaktiv verstrahlten Gebiet in Weißrussland aufgenommen und ihnen für einige Wochen Erholung im Ammerland geboten.

Inzwischen ist der Ammerländer Verein zwar aufgelöst, doch die Kontakte zu den Familien bestehen fort. Jetzt gab es ein Wiedersehen mit einigen Kindern, die dem Kindesalter mittlerweile entwachsen sind und als junge Erwachsene zurückkehrten. Bei Hildburg und Horst Schreyer waren Julia und Marina für drei Wochen Feriengäste. Angelika und Jürgen Krohn gewährten Olga mit ihrer Mutter Lena einen Ferienaufenthalt. Um den jungen Menschen den Besuch zu ermöglichen, waren zuvor viele Behördengänge zum Erhalt des Visums erforderlich. Auch mussten Versicherungen für die Gäste abgeschlossen werden. Am 3. August holten die Bad Zwischenahner „ihre Kinder“ um 3 Uhr nachts vom Hauptbahnhof in Hannover ab. Die Fahrt konnte ohne Umsteigen von Minsk aus begonnen werden. Die Fahrtkosten wurden von den Gasteltern getragen.

Julia und Marina, beide mittlerweile 20 Jahre alt, waren zuletzt 1999 in Bad Zwischenahn. Julia studiert heute auf der Musikakademie in Minsk und möchte später Sängerin in der klassischen Musik werden. Marina studiert an der technischen Universität in Mogilow. Sie fanden sich sofort wieder in „ihrem Bad Zwischenahn“ zurecht und genießen nach eigenen Angaben jede Minute.

Die Gedanken, bereits am morgigen Mittwoch wieder abreisen zu müssen, verdrängen sie noch. Die Verständigung sei kein Problem, versichern alle, notfalls „werde mit Händen und Füßen geredet". Die 18-jährige Olga ist Pädagogik-Studentin. Seit 2003 ist sie jährlich bei den Krohns in Bad Zwischenahn. Sie hätten ein sehr freundschaftliches Verhältnis mit der Familie ihres Pflegekindes aufgebaut, betont Angelika Krohn.

Olgas Mutter Lena ist erstmals Gast im Kurort. „Ich fühle mich wie in einem Märchenland", schwärmt sie unter Tränen. „Es ist alles wie in einem wunderschönen Traum." Die Gasteltern seien rührend um die Kinder besorgt. „Den Dank kann ich nicht mit Worten ausdrücken", sagt sie, „ich liebe diese Menschen!“.

Die privaten Kontakte zu den weißrussischen Familien werden ewig bestehen bleiben, betonen alle Gasteltern, sodass auch weiterhin die „Kinder“, die zu ihren Gasteltern Mama und Papa sagen, in Bad Zwischenahn willkommen sind.