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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Keine Angst vor der Dunkelheit

23.11.2019

Bad Zwischenahn /Jade Wie verändert sich Norddeutschland, wenn es Nacht wird und sich die Dunkelheit über das Land legt? Wird es überhaupt noch richtig stockdunkel? Antworten auf diese Fragen gibt das Buch „Norddeutschland bei Nacht“ von Marcus Fischötter. Der 57-jährige Autor ist im Sommer 2018 zusammen mit dem Fotografen Klaus Stuhl in einem mit einer Spezialkamera ausgerüsteten Hubschrauber über die Hafenstädte an Nord- und Ostsee geflogen, über Ölplattformen und blinkende Windparks, über Mähdrescher im Scheinwerferlicht auf dem Feld und über Krabbenkutter im Mondschein.

Es sind faszinierende Bilder entstanden, die Norddeutschland von einer noch weitgehend unbekannten Seite zeigen. Dazu gibt es interessante Geschichten von Menschen, die mit ihrer Heimat verbunden sind.

Auf See und an Land

Eine solche Geschichte ist die von Andreas Thaden, der mit seinem Kutter „Butjadingen“ vor der Nordseeinsel Amrum Krabben fängt. Es ist ein Knochenjob – tagein, tagaus. Fünf- bis sechsmal in der Nacht werfen Thaden und sein Decksmann Albert Bunke die Netze aus. „Das große Geheimnis der Fischerei ist, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein“, sagt der Krabbenfischer in siebter Generation.

Wenn es am Morgen zurück nach Amrum geht, hat Andreas Thaden nicht nur eine halbe Tonne Krabben an Bord, sondern auch einige Kilo Nordseesalz an Bord. Aus einem Liter Nordseewasser kann er 35 Gramm Salz gewinnen. Nachts bei Hochwasser sei die Chance am größten, das sauberste und klarste Wasser zu schöpfen, weiß der 57-Jährige. Am Heck seines Kutters hat er sich ein kleines Labor eingerichtet. Die Abwärme des Schiffsmotors erhitzt das Meerwasser. Wenn es verdunstet, bleibt feines Salz übrig, das Thaden an lokale Restaurants und Touristen verkauft und an gute Freunde verschenkt.

Beim Nachtflug über Bremerhaven fallen die bläulich-grünlich schimmernden Scheinwerfer im Hafengelände ins Auge. Sie treten aus einem warmen Lichtermeer deutlich hervor.

Rund fünf Millionen Container werden in Bremerhaven im Jahr umgeschlagen. An der fünf Kilometer langen Kaje können 14 große Frachtschiffe gleichzeitig anlegen. Darüber hinaus ist Bremerhaven der größte Umschlagplatz Europas für Autos. 120 000 Parkplätze stehen dafür zur Verfügung.

Im Kontrast dazu stehen die Wasserfestspiele in Jade im Kreis Wesermarsch. Jedes Jahr im Oktober lässt die Freiwillige Feuerwehr des Ortes Wasser im Takt der Musik tanzen. Dafür stürzen 1000 Liter Wasser Wasser pro Minute aus 500 Düsen. Ein Spektakel, das Tausende Besucher anlockt.

Überhaupt stehen Licht- und Wasserinstallationen hoch im Kurs bei Nachtschwärmern. Die mystische Nächte im Park der Gärten in Bad Zwischenahn (Kreis Ammerland) und die Wasserspiele in den Herrenhäuser Gärten in Hannover sind nur zwei Beispiele dafür. Marcus Fischötter trifft in den Herrenhäuser Gärten die Lichtdesignerin Ulrike Brandi. Sie hat Beleuchtungskonzepte für den Flughafen in Shanghai, die Elbphilharmonie in Hamburg und die Expo in Hannover entworfen. Nun soll sie zwei Pavillons im Park ins rechte Licht rücken.

Wirkung von Licht

Brandi kennt die Wirkung von Licht genau. „Ich schätze die Dunkelheit und möchte sie schützen“, verrät sie. Sie gehe deshalb dort, wo sie Licht mache, sehr gezielt mit dem Minimum von dem vor, was sie brauche.

Zu den Nachtarbeitern gehören auch die Schiffbauer auf der Meyer Werft in Papenburg im Emsland, wo die größten Kreuzfahrtschiffe entstehen. Unzählige Nächte hat der Transport-Lotse Karsten Seifert schon auf Niedersachsens Straßen verbracht und Schwertransporter begleitet. Rund 30 000 Lkw mit Flugzeugteilen oder anderer gigantischer Ladung sind es jährlich – Tendenz steigend. Seifert räumt für die Riesen die Hindernisse aus dem Weg und muss andere Verkehrsteilnehmer vor dem Schwertransport warnen.

In einem der dunkelsten Gebiete in Norddeutschland sind Dr. Andreas Hänsel, Leiter des Osnabrücker Planetariums, und Evelin Kartheuser vom Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide an der Mecklenburgischen Seenplatte unterwegs. Mit einem sogenannten Roadrunner misst der Physiker die Helligkeit des Nachthimmels und ist begeistert von dem was er sieht beziehungsweise nicht sieht. In dem 365 Quadratkilometer großen Naturpark kann er die Sterne der Milchstraße und die Andromeda-Galaxie mit bloßem Auge erkennen.

Als Sternenpark soll der Naturpark künftig nicht nur Astronomen anlocken, er soll auch dazu betragen, das Verhältnis vieler Menschen zur Natur zu verändern. – Ein Ziel, das Marcus Fischötter mit seinem Buch unterstützt. Damit die Nacht wieder dunkel sein kann – auch in den Städten – muss sie geschützt werden.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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