BAD ZWISCHENAHN - „Ausverkauft“ meldete der „Verein der Kunstfreunde“ die Veranstaltung der „Langen Nacht der Poesie“, in der zum 14. Mal Organisator und „Erzpoet“ Manfred Hausin in einem knapp fünfstündigen Programm die Besucher in ein buntes Feuerwerk der Worte und Töne versetzte. Sie sollten einfach den Alltag vergessen und eintauchen in die „lange Nacht der Poesie“, war sein Rat.

Mit einem vielfältigen Mix aus Musik, Gesang und Lyrik behauptete auch an diesem Abend die Kleinkunst ihren Stellenwert. Der Jeveraner Liedermacher Iku Andrae überzeugte zu Beginn mit seiner Lyrik auf Platt. Zum Repertoire zählten auch Texte seines Vaters Oswald Andrae. Poetisch musikalisch überzeugte Danny Dziuk. In seinen Liedern setzte er sich augenzwinkernd mit „Banken und anderen Steuerhinterziehern“ auseinander. Akkordeonmusik mit „vollem Körpereinsatz“ auf ihrem Knopfakkordeon präsentierte die weltbekannte Instrumentalistin Lydie Auvray.

Die lange Nacht der Poesie war auch die lange Nacht der poetischen Momente. In ihrem „Solo für Füße“ zeigte Anne Kling eine hohe Körperbeherrschung, indem sie mit ihren Füßen Theater spielte. So wurden ihre Füße zu Sängerinnen oder überforderten Hausfrauen. Ihr Fußtheater endete mit einem „erotischen Striptease“ eines Fußes. Seit mehr als 30 Jahren steht die Gruppe „Laway“ auf der Bühne. Auch in der Poesienacht überzeugten sie mit moderner Folk-Musik mit meist plattdeutschen Texten sowie schwungvollen Instrumentalstücken im keltischen Stil. Das Ensemble mit Petra Fuchs, Gerd „Ballou“ Brand, Keno Brand und Jörg Fröse machte deutlich, das auch die Ostfriesen eine lebendige Musiktradition haben.

Nachdem die Poetin Imme Koch mit ihrer Lyrik eingestimmt hatte, kam das Lustigste mit „Quatsch und Musik“ zum Schluss: Als Überraschungsgäste präsentierte Manfred Hausin „Wolfgang Grieger und die High Nees“ mit „Geschichten vom Dorf“. So gaben sie ein „Konzert auf Marmeladendosen“ und sangen vom „Kläranlagentaucher“. Ihr Auftritt strapazierte die Lachmuskeln und machte Lust auf mehr. Neue „Hausinaden“ versprühte Manfred Hausin, bei denen er es wieder verstand, wenige Worte komprimiert und hintersinnig einzusetzen.

An diesem Abend erlebten die Zuschauer eine Palette voller Witz und Wahnsinn; eben einen Abend, der frech und grotesk war: eine lange Nacht der guten Unterhaltung.