Bad Zwischenahn - Warum der Jade-Weser-Port nicht so recht läuft? Leichtmatrose Nagelritz kennt die Antwort. „Die müssen erst ne Herbertstraße und die Reeperbahn bauen. Sonst will da ja keiner hin“, verkündet der Moderator der Komischen Nacht. Deshalb nenne man Wilhelmshaven ja auch in Seefahrerkreisen Porto Depressivo. Da lacht die Ammerländer Landratte. Und noch lustiger wird es, wenn sich Nagelritz Freiwillige für seine Späßchen aussucht. Uwe und Rüdiger trifft es gleich den ganzen Abend über. Das hat man wohl davon, wenn man in der ersten Reihe Platz nimmt.

Wenngleich: Der Moderations-Matrose rennt zwischendurch auch gern mal über die Bierzelt-Tische in die hinteren Reihen, macht Späße auf eigene und natürlich noch mehr auf fremde Kosten. So ist das bei der Komischen Nacht.

Nach dem Erfolg im vergangenen Jahr gab es auch dieses Mal an zwei Abenden je gute drei Stunden Gag-Feuerwerk. Vom Blondinen-Witz bis zu verblüffenden Zaubertricks.

Besonders die singende Nervensäge C. Heiland begeisterte vor vollen Rängen. Nach zehn Jahren als Psychotherapeut mischt er mit seinem Musikinstrument Omichord die Comedy-Abende auf. Das Ding hört sich an wie die Hammondorgel des Alleinunterhalters bei Tante Klaras 95. Geburtstag. Doch C. Heiland singt über A...-Ekzeme und reimt ziemlich schräg („Ich leite eine Selbsthilfegruppe für Reiche, meine Diener sind fünf Scheiche“), lästert über Pädagogen („90 Prozent von denen, die hier falsch mitsingen sind Lehrer“) oder kalauert einfach nur herum. Das ist meist nicht nur unter der Gürtellinie, sondern deutlich unterhalb des Knies. Dem Publikum gefällt es trotzdem.

Ganz anders Marco Brüser. Er verblüfft mit Zaubertricks und macht nebenbei die Dauer-Freiwilligen Uwe und Rüdiger zum Horst. Letzterer wird erst um einen Fünf-Euro-Schein gebracht, dann sind Handy und Ehering verschwunden. Zum Glück tauchen sie später in Büsers Socke wieder auf. Und Nagelritz warnt das Publikum: „Wer schadenfroh lacht, ist als nächster dran.“

Nur gut, dass Niko Formanek ein Wiener Gentlemen ist. Er lästert über das Altern und vor allem über Jugendliche. „Teenager sind Aliens. Liebe Nasa such nicht auf dem Mars, die stehen bei mir in der Küche.“

Der Open-Air-Spaß ist ein besonderes Format der Komischen Nacht. Normalerweise ziehen verschiedene Comedians in anderen Städten von Kneipe zu Kneipe, der Gast bleibt in einem Lokal und lässt sich immer wieder neu bespaßen.

Wem das gefällt, der sollte sich den 21. September vormerken. Dann findet zum 17. Mal die Komische Nacht in Oldenburg statt. Von den vier Chaoten des vergangenen Wochenendes ist dann allerdings keiner dabei.

Jasper Rittner
Jasper Rittner Chefreporter Oldenburg-Stadt/Ammerland