BAD ZWISCHENAHN - Schon mit dem ersten Tastenanschlag wurde das Band zwischen einem andächtig lauschenden Publikum und der Künstlerin geknüpft. Bei den Sonaten von Domenico Scarlatti , Muzio Clementi und Ottorino Respighi konnten die Besucher nicht nur hören, sondern sich mittragen lassen von einer Musik, die gleichermaßen samtig weich dahinplätscherte, die aufrüttelnde und leidenschaftliche Elemente beinhaltet. Bereits mit diesem Auftakt bewies Ana Marija Markovina, die auf Einladung der Zwischenahner Kunstfreunde im Alten Kurhaus gastierte, hohe Virtuosität und eine feine Gabe des Innehaltens, des Hineinhorchens in die Stimmungsbilder, die die Kompositionen abverlangten. Kadenzen wurden mit Leichtigkeit gespielt, die Finger glitten in Windeseile über die Tasten und enthüllten perlende Läufe.
Spannungsgeladene Elemente wurden zu einem temperamentvollen Zusammenspiel kraftvoller Klänge, duftige Passagen ließen Sensibilität spürbar werden. Markovina schien zusehends die Welt um sicher herum zu vergessen. Ana Marija Markovina ist eine ganz besondere Pianistin, die ihr anspruchvolles Programm ohne jegliche Notenblätter beherrscht. Im Rahmen der Erforschung der Persönlichkeit der Komponisten und der Psychologie ihrer Werke, steht sie in engem Kontakt zur internationalen Kreativitäts- und Hirnforschung, insbesondere zum Institut für Psychologie und Kognitionsforschung der Universität Bremen. Ihre Auftritte führten sie bereits in fast alle Länder Europas, nach Japan, in die USA und in die wichtigsten Konzertsäle Deutschlands.
Dass diese Ausnahmekünstlerin in Bad Zwischenahn auftreten konnte, ist eine Glanzleistung des Vereins der Kunstfreunde. Leider kamen nur sehr wenige Besucher ins Alte Kurhaus. Die Ammerländer fahren offenbar lieber zu den teueren Konzertsälen der Welt und verpassen die fast private Atmosphäre im schönen Kurhaus-Spiegelsaal.
