BAD ZWISCHENAHN - Es ist die erste Landeskunstausstellung, die in einem Gartenraum stattfindet. 20 Künstler können sich mit ihren 33 Arbeiten auf den Freiflächen ausbreiten.
Von Regina Jerichow
BAD ZWISCHENAHN - Davon können die meisten Künstler nur träumen: von einem rund 14 Hektar großen Ausstellungsraum und 100 000 Besuchern. Nein, das ist keine fantastische, überdimensionierte Galerie. Es handelt sich um den Park der Gärten in Bad Zwischenahn/Rostrup, der seinen diesjährigen Saisonstart am 1. Mai nicht einfach mit knospenden Maiglöckchen schmückt, sondern mit einer Vernissage. Mitten zwischen Blüten, Bäumen, Sträuchern und mehr als 90 Themengärten wird zeitgleich die Landeskunstausstellung des Bundes Bildender Künstler für Niedersachsen (BBK) eröffnet.Pflanzen und Kunstwerke – verträgt sich das? Auf jeden Fall, meint Christian Wandscher, Geschäftsführer im Park der Gärten. Moderne Garten-Architektur habe immer auch mit Kunst zu tun. Schon die Landesgartenschau aus dem Jahr 2002 – der Ursprung des Parks – habe Kunstelemente aller Art enthalten. Viele von ihnen stehen jetzt noch im Grünen – und haben nun kunstvolle Gesellschaft erhalten.
„Diese Landeskunstausstellung ist die erste in der 60-jährigen Geschichte des BBK, die in einem Gartenraum stattfindet“, sagt Gabriele Böger, Vorstandsmitglied und Projektleiterin, nicht ohne Stolz. Und obendrein die erste Schau, die den Nachwuchs – Studierende der Kunstakademien – einbezieht. Die 20 Künstler – darunter vier Studenten aus Bremen und Braunschweig – hat eine siebenköpfige Jury aus 52 Bewerbungen ausgewählt.
Mit ihren 33 großformatigen Arbeiten können sich die Künstler im Park ausbreiten. Auf dem Rasen – er darf betreten werden, um die Exponate aus der Nähe zu betrachten – und sogar im Wasser finden sich abstrakte Plastiken, gegenständliche Skulpturen und pfiffige Installationen. Die verwendeten Materialien reichen vom klassischen Stein und Holz über Lastwagenplanen und Flugzeugaußenhaut bis zur Mohairwolle. Letztere dient einer Künstlerin dazu, einen großen Baum im wahrsten Sinne des Wortes zu „umgarnen“. Der Hintersinn erschließt sich rasch, wenn man das verbindende Thema aller Arbeiten kennt: „GartenLust und Leidenschaft“.
Namhafte regionale Sponsoren haben sich an dem Projekt beteiligt. So hat die OLB einen Kunstpreis in Höhe von 5000 Euro gestiftet, der – so viel steht schon fest – in der Region bleiben wird. Auch die Besucher des Parks – in der Regel kommen an die 100 000 – werden um ihre Stimme gebeten. Nach dem großen Kunstmarkt, der am 22. und 23. Juli stattfinden wird, dürfen sie ihr Votum abgeben. Der Publikumspreis in Höhe von 1500 Euro (OLB) wird zum Saisonabschluss am 3. Oktober verliehen.
Noch laufen allerdings die Vorbereitungen. Die Künstler sind zwar schon fast fertig, aber die Pflanzen hinken hinterher. Der Park hat noch mit den Nachwehen des langen Winters zu kämpfen. Nur ein paar mutige Stiefmütterchen und andere Frühlingsblüher recken schon ihre Blüten in die Luft. So vorwitzig, als wollten sie die Ersten sein, die sich die Kunst in aller Ruhe anschauen.
