BAD ZWISCHENAHN - Ronaldo, Rivaldo, Jando. Fußballfans werden denken: Die ersten beiden kenne ich, den letzten aber nicht. Mancher Leser und Internet-User wird denken: Die ersten beiden kenne ich nicht, aber den letzten. Dennoch stimmt die Reihe. Denn Jando ist ein Künstlername, wie die der brasilianischen Fußballstars. Mehr noch: Jando spielt Fußball und heißt eigentlich anders. Jando heißt Jens Koch.
Erfolg stellt sich ein
Nun wird es bei manchem Zwischenahner klingeln. Jens Koch (40) ist Zwischenahner. Er spielt Fußball bei den 2. Herren des VfL Bad Zwischenahn. Jens Koch ist Schriftsteller. Auch. Davon leben kann er noch nicht. Er hat noch einen richtigen Beruf. Aber Erfolg mit dem Schreiben hat er bereits.
Sein Erstlingswerk „Windträume – eine wundersame Reise zu sich selbst“ ist bei einem Internet-Buchversand lange in der Liste der bestverkauften Büchern gewesen. 2002 geschrieben, hatte es Jens Koch zunächst im Eigenverlag (book-on-demand) herausgegeben. Doch dann der geschäftliche Zusammenbruch. Kochs Event- und Marketingagentur muss im Jahr 2008 Insolvenz anmelden. Es zieht den damals 38-Jährigen wieder an den Schreibtisch. „Ich habe das Buch total überarbeitet.“
Es war irgendwie der richtige Anlass, denn Windträume erzählt eine Art modernes Märchen. Die Botschaft: „Man soll an seine Träume glauben. Und wenn man hinfällt, muss man wieder aufstehen“, so Jando. Selten hatte diese Botschaft für Jens Koch selbst so zugetroffen, wie nach der Insolvenz. Das Buch bietet er nach der Überarbeitung Verlagen an. Vier wollen es haben. Koch entscheidet sich für einen kleinen Verlag. „Ich wollte nichts an meinem Text ändern. Die Bilder sollten auch drin bleiben.“ Die Bilder nämlich hat seine Schwester Antjeca alias Antje Arning gemalt.
Jens Koch schreibt sich sein Leben von der Seele, manches mag banal klingen, doch die Leser geben ihm recht: Das Buch verkauft sich. Es erscheint mittlerweile in der zweiten Auflage.
Einen ganz prominenten Fan hat Jando mit seinem Buch gewonnen. Radost Bokel (ovales Bild; spielte 1986 mit Armin Mueller-Stahl „Momo“). „Sie hat mir geschrieben, wie sehr sie das Buch berührt hat.“
Dieser Brief hat Folgen. Jando fragt Radost Bokel, ob sie nicht Lust hätte, sein Buch für ein Hörbuch einzulesen. Aus einem fürs Internet hergestellten Buch-Werbefilm entstehen Kontakt zur Sängerin Erica Shine und schließlich auch zu Isgaard. Die vier verwirklichen ein Projekt, das wieder gut ankommt. „Ich kann den Erfolg noch gar nicht begreifen“, sagt der Zwischenahner.
Lesung ohne Autor
Bei einer Präsentation des Hörbuches in St.-Peter-Ording kam es zur seltsamen Situation, dass der Autor selbst zunächst gar nicht in Erscheinung trat. Radost Bokel las, Isgaard spielte Musik, auf einer Leinwand waren die Bilder von Antjeca zusehen. Koch mit einem Grinsen: „Ich habe dann aber die Fragen beantwortet.“
Übrigens: Jando ist tatsächlich ein Fußballername. Jens Koch hatte bei einer Internetmaschine zur Erfindung brasilianischer Fußballernamen seinen Nach- und seinen Vorname eingegeben – und schon war Jando geboren.
