BAD ZWISCHENAHN - Die Umgebung einmal anders erleben konnten am Sonnabend zahlreiche Kinder in der „bibliothek am meer“ in Bad Zwischenahn. Bei der vierten Lesenacht wurde das Thema „Nicht sehen können“ in den Mittelpunkt gestellt. Unter dem Motto „Die Welt mit anderen Augen sehen“ gab es einen Abend lang viel Unterschiedliches zu erleben und zu erfahren.

Aus Anlass des 200. Geburtstags von Louis Braille, Erfinder der Punktschrift für Blinde, hatten sich die Leiterin der Bibliothek, Nicole Mühlmann, und ihr Team entschieden, den Kindern das Leben eines blinden Menschen näher zu bringen. Als roter Faden der Veranstaltung, zu der auch das Übernachten in der Bibliothek gehörte, diente dabei das Buch „Schwarze Augen“ von Gilles Tibo. In dieser Geschichte wird beschrieben, wie ein blinder Junge sein Leben und den Alltag bewältigt.

Die Kinder im Alter von sechs bis 10 Jahren konnten an diesem Abend eigene Erfahrungen und Eindrücke davon sammeln, wie es ist, nichts sehen zu können. „Ach, so fühlt sich das an“, hieß es da oft. So wurde das Abendbrot mit verbundenen Augen eingenommen. Vorher wurde ihnen erklärt, wie sich ein blinder Mensch selbst helfen kann, das Brot mit den richtigen Sachen zu belegen.

Wie der 10-jährige Tjado aus Ohrwege hatten auch die anderen Kinder kaum Schwierigkeiten, sich ihr Brot zu schmieren und es zu belegen. Komisch fand er nur, wie er die Gurkenscheiben aufeinander gestapelt hatte. Katharina fand das Essen in dieser Art lustig. Sie hat eher gefühlt, was auf dem Teller lag, und nicht gezielt bestimmtes Essen genommen. Für die 9-Jährige aus Ohrwege war der Teller vom Empfinden her allerdings viel größer als gedacht.

Bei den Sinnesstationen hatten die Kinder ebenfalls mit verbundenen Augen Dinge zu ertasten sowie unterschiedliche Gerüche wahrzunehmen und richtig zuzuordnen. Eine Weckersuche, wobei der Hörsinn auf die Probe gestellt wurde, und eine Führung mit verbundenen Augen über einen Hindernisparcours gehörten zu den weiteren Aktivitäten.

Natürlich kam das Lesen bei all diesen Spielen und Aktionen nicht zu kurz. Die Kinder hatten neben den normalen Büchern auch die Möglichkeit, Bücher in Blindenschrift zu erforschen. Mit vielen neuen Eindrücken konnten sie dann auf Luftmatratzen schlafen und träumen.